Geschichte von Fertőrákos

Die Frühgeschichte von Fertőrákos (Kroisbach)

Die genaue geographische Lage der Gemeinde Fertőrákos – 47° 42` nördliche Breite und 16° 48` östliche Länge der nördlichen Erdhälfte – sagt jemandem, der mit solchen Meßeinheiten nicht vertraut ist, sich aber für die Ortschaft interessiert, nicht viel. Folgende Angaben sind jedoch für jedermann verständlich. Fertőrákos liegt im westlichen Teil von Ungarn, ca. 7 km von Sopron (Ödenburg) entfernt, in jenem hundehauptähnlichen Winkel am Westufer des Fertő (Neusiedler See), der durch die Volksabstimmung am 14. Dez. 1920, gemäß der Konvention von Venedig, Teil von Ungarn wurde. Die Gemeinde wird halbkreisförmig von Wäldern oder felsigen Hügeln und einem, in nord – südlicher Richtung verlaufenden, etwa 25 – 30 m hohen Hügelland umgeben und dadurch gleichzeitig von den umliegenden Ortschaften getrennt. Von der anderen Seite begrenzen Schilfdickicht und der Fertő den Ort.
Fertőrákos bietet für den Besucher der hiesigen Landschaft vier verschiedene Sehenswürdigkeiten: die Höhle des Mithras, das bischöfliche Palais, den Steinbruch und den Pranger in der Ortsmitte.
Die Mithrashöhle führt uns in die Frühgeschichte von Fertőrákos. Der Fertő – angeblich Lacus Peisot – wird von mehreren Geschichteschreibern und auch von Reisenden aus der Frühgeschichte erwähnt. Gibt es doch kaum eine Region entlang des Ufers, von wo aus Wandervölker und in den Krieg ziehende Heerestruppen den großen, sumpfigen, schilfumrandeten See nicht betrachtet hätten. Aber abgesehen von einigen römischen Gedenksteinen, die von den ziehenden Soldaten als Votivsteine oder als Andenken an verstorbenen Kammeraden aufgestellt wurden, deutet nur die Mithrashöhle an der Grenze des heutigen Fertőrákos an die Existenz einer alten Zivilisation.
Die Höhle liegt nördlich von Fertőrákos, am Ufer des Neusiedler Sees, in unmittelbarer Nähe der heutigen Staatsgrenze und wurde 1866 von dem Steinmetz György Mallesitz, entdeckt.
Mallesitz und Ferenc Storno Senior, ein Soproner Architekt befreiten die Höhle von der sich auflagernden Erde und dem verwilderten Gestrüpp. Eine Grotte wurde sichtbar, deren Innenseite von einem zweieinhalb Meter hohem, geschnitztem Reliefstein bedeckt wurde. Auf diesem Stein ist die Gestalt der Gottes Mithras, des Stiertöters zu erkennen. Links und rechts flankieren zwei Genien den Gott. Sie halten je eine Fackel, wobei die eine nach oben, die andere nach unten deutet. Von der Inschrift an der unteren Seite des Reliefs kann man lediglich drei Worte entziffern, “fecit impendie suo”. Dies läßt darauf schließen, daß das Relief von einer Person, auf eigene Kosten errichtet wurde.
In der Höhle fand man auch zwei Votivsteine mit Abkürzungen. Diese wurden von Mommsen, Paur und Storno entziffert. Sie waren dem Sonnengott geweiht und wurden von Septimius Justinianus, dem Arsenalmann der Legion XIII, Gemina Antoniana und Julius Saturninus, einem römischen Offizier errichtet. Die in den Urnen gefundenen Münzen deuten darauf hin, daß die Höhle in der ersten Hälfte des III. Jahrhunderts entstanden ist.
Herzog Massalszky behauptet in seiner Studie in “Soproni Szemle”, daß die Höhle zwischen 254 und 378 als Sanktuarium diente. Unter anderen soll auch Kaiser Julianus Apostata, (der Abtrünnige) Menschenopfer dargebracht haben als er seine Schiffsreise an der Donau in Richtung Carnuntum für 4 Tage unterbrach, um mit seinem Gefolge das Sanktuarium aufzusuchen und der Gottheit zu huldigen, bevor er den Thron bestieg. Weder in Carnuntum, noch in Scarbantia hatte er eine Mithras – Gebetstätte gefunden, weil der Mithraskult mit der offiziellen römischen Religion nicht zu vereinbaren war. Nur vereinzelt fand man solche Sanktuarien. In unserer Gegend gab es zum Beispiel neben dem Sanktuarium in Fertőrákos eines in Szárazvám, und eines in Ószöny. Da man in der Nähe der Gebetstätte von Fertőrákos Urnen aus Ton mit Münzen gefunden hat, nimmt man an, daß das Sanktuarium bewacht war und daß daneben eine Art Siedlung entstanden war.
Das Sanktuarium hätte laut Reichsverordung des Kaisers Gratianus aus dem Jahr 378 zerstört werden sollen. Nachdem es sich abgelegen befand, blieb es verschont, die Wache verzog und die Gebetstätte verfiel. Nach 1500 Jahren wurde die Höhle durch Zufall wiederentdeckt.
Vor Jahrzehnten kamen noch zahlreiche Besucher, um diese Kultstätte aus den alten Zeiten zu besichtigen. Heute ist die Höhle durch ihre Lage an der Staatsgrenze für Interessierte nicht zugänglich. Während der Hunnen, Awaren, Karolinger und der Streifzüge der Magyaren bleibt die Existenz einer Siedlung in dieser Gegend in völliger Dunkelheit. Da der Wasserspiegel des Fertő starken Schwankungen unterworfen war und es sogar zur vollständigen Austrocknung kam, hält sich hartnäckig die Volkslegende, daß in karolingischer Zeit im ausgetrockneten Seebett mehrere blühende Ortschaften entstanden. Kein Fund bestätigt jedoch die Existenz solcher Siedlungen.
Ein alter Hotterbegehung spricht über einen Grenzstein mit der Bezeichnung “Macska” oder “Madaskád”. Es wird vermutet, daß dort ein Dorf mit dem Namen “Macskafalu”, existierte. Diese Behauptung wird noch im Teil über die Burg Macskakö behandelt. Abgesehen von diesem Stein und der Mithrashöhle fand man in Fertőrákos keine Hinweise auf eine frühere Siedlung.

Die Entstehung von Fertőrákos. Die Grenzen von Fertőrákos
Die Burg von Macskakő (Katzenstein)

Die Entstehung des heutigen Fertőrákos reicht in die Zeiten der Christianisierung der Magyaren zurück, bzw. als König Stephan der Heilige das Bistum von Győr errichten ließ. Der Herrscher ließ für die Bistümer Kathedralen errichten und spendete für diese auf dem Gebiet der Diözese mehrere, weit voneinander entfernte Besitze. Die Kathedrale des Bistums von Győr leiß Stehpan der Heilige zwischen 1030 – 1033 erbauen und diese bekam den Namen „Die Heilige Jungfrau Maria“. Für diese Kathedrale und für die Erhaltung des Bistums spendete der heilige König in mehreren Gebieten weitere, größere oder kleinere Besitztümer, um die kirchliche Verwaltung der verschiedenen Regionen zu erweitern.
Der westlichst gelegene Besitz des Bistums war jener in Fertő – Umgebung und diente vermutlich der Erweiterung der westlichen Kirchenverwaltung und vielleicht als Stärkung der Burg in Sopron, womöglich auch ihrer Überwachung.
Darüber, daß zur Kathedrale „Die Heilige Jungfrau Maria“ in Győr, bzw. zum Bistum Besitze beim Fertő gehörten, lagen lange Zeit keine schriftlichen Beweise vor. Zwischen 1240 und 1241 verwüsteten die Tataren derartig die bewohnten Ortschaften unseres Landes, daß es nur wenige Urkunden erhalten blieben, und zwar jene, die von einer verschonten Institution oder einem Gutsbesitzer gerettet werden konnten.
Die ertse Erwähnung des Besitzes beim Fertő, der dem Bistum von Győr gehörte, stammt aus den Zeiten nach den Tatarenzügen, während der Regierung des zweiten Staatsgründers König Béla IV. Diese Urkunde ist von besonderer Bedeutung. Sie existiert nicht im Original, aber sie wurde in einer Dezision des Königs Sigismund, am 3. November 1429, umschrieben. Die Originalurkunde wurde von Kelemen Molnári, Bischof von Győr (1417 – 38) als entscheidendes Beweisstück im Streit mit der Stadt Sopron vorgelegt und der Brief des Königs Sigismund hielt dies in Form eines verwirrenden, falsch angegebenen Datums fest.
In der Umschreibung des Königs Sigismund wird die Urkunde, in deutscher Übersetzung, wie folgt festgehalten:
„König Sigismund beaftragt das Prämonstratenserkloster in Csorna, einen Abgesandten zu betrauen, um am 1. Mai 1430 gemeinsam mit dem königlichen Abgesandten Andreas vor Ort ein Schiedsgericht zwischen der Stadt Ödenburg und Bischof Clemens von Raab um strittige Besitzrechte in Kroisbach abzuhalten, die Grenzen der Strittigen Besitzung abzugehen und aufzuzeichnen, den Besitz nach Befragung der „Nachbarn und Anrainer“ dem rechmäßigen Besitzer einzuantworten und über die vollzogene Rechtshandlung dem König Bericht zu erstatten. Das Schiedsgericht soll einen vor dem königlichen Hofgericht geführten Prozeß entscheiden, in welchem sich die Stadt Ödenburg (vertreten durch den Stadtrichter Stephan Czenkel, den Stadtschreiber Arnestus sowie die Geschworenen Johannes Castel und Stephel Aiwek) und der Bischof von Raab (persönlich anwesend) gegenseitig der unrechtmäßigen Besitzausweitung gegenseitig auf eigene Kosten beschuldigen. Während die Stadt Ödenburg ihre Ansprüche nicht mit Besitzurkunden belegen kann, legte der Raaber Bischof zwei Schriftstücke vor:
Die erste Urkunde, 1244 von König Béla IV. ausgestellt, beurkundet die Entscheidung im Streit um die Kroisbacher Seemaut zwischen der Stadt Ödenburg und Bischof Omodeus von Raab zu Gunsten des Letztgenannten, da kirchliche besitzungen nach den „kirchlichen Rechten“ von der Zahlung von Zinsen und Mauten an weltliche Herren befreit wären. Im Verlau der vom königlichen Abgesandten Herbord dg.Osl unter Zeugenschaft des Abtes und des Konvents von Panonhalma abgehaltenen Prozesses wurden die Grenzen der strittigen Besitzung Kroisbach abgegangen, die in der Urkunde beschrieben werden…“
In der Zitierung der Disposition von König Béla gibt es einen offensichtlichen Irrtum. Dieser Irrtum kommt wahrscheinlich daher, daß der Stadtschreiber, der die Urkunde von König Sigismund schrieb, das Datum falsch gelesen hat.
Der Stadtschreiber gibt als Datum der Urkunde das Jahr 1244 an, obwohl im Original 1254 stehen müßte. Das 18. Regierungsjahr des Königs Béla ist nämlich nicht 1244, sondern 1254.
Bischöfe namens Amadeus gab es in der Győrer (Raaber) Diözese auch zwei. Der erste Amadeus wurde 1241 zum Bischof, starb jedoch bereits 1242. Der zweite Amadeus, der aus dem berühmten Geschlecht des Pok abstammte, wurde 1254 als Bischof von Győr ernannat. Es kann also nur dieser Bischof Amadeus in der Urkunde gemeint sein.
Der zweite Irrtum liegt nicht an der Urkunde, sondern entstand dadurch, daß heutige Leser den Satz „super tributo portui, scilicet stagno et lacu Fertew vulgariter nuncupati, in possesione ecclesiae beate Virginis Rakus vocata prope eadem civitate existente“ falsch verstanden und lasen heraus, daß in der Nähe von Fertőrákos eine Kirche für die Heilige Jungfrau Maria stand. Das Wort „prope“ bedeutet jedoch die Nähe von Fertőrákos zu Sopron („prope eandem civitatem“ – Fertőrákos galt nicht als civitas). Das obere Zitat sagt auch nicht aus, daß in Fertőrákos damals bereits eine Kirche existiert hätte. Die richtige Interpretation lautet, daß der Besitz Kroisbach der Kirche Heilige Maria im Bistum von Győr angehörte. Genauso wird dies auch in mehreren, aus späteren Zeiten stammenden Urkunden ausgelegt.
Aus der Urkunde geht hervor, daß der Besitz Fertőrákos bereits früher Gegenstand von Streitigkeiten darstellte, und daß dieser Streit im Jahr 1254 in Sopron lediglich wiederaufgenommen wurde. Fertőrákos galt also bereits früher als Besitz des Bischofs von Györ.
Diese Tatsache wurde in Sopron auch nicht bestritten. Man wollte lediglich die Abgaben von Fertő auch für Fertőrákos erheben. Ursprünglich war die Erhebung von Abgaben mit Ausnahme von Rákos königliches Recht, später jedoch bekamen einige Hochadelige (Osl, Kanizsai) und auch Sopron Anteile für die eigenen Grundstückteile, die den Fertő grenzten (Balf /Wolfs, später Meggyes/ Mörbisch). Hier wurde die Hälfte der Abgaben vom König der Stadt überlassen und während Karl I. Robert für einige Jahre, als die äußere Burgmauer errichtet wurde, blieb sogar die gesamte Abgabe der Stadt. Die Abgaben von Rákos konnten nur so der soproner Bevölkerung zugute kommen, indem infolge der Tatarenzüge verwüsteter Besitz als verlassen erklärt und ersessen wurde. Bischof Omodeus II forderte seine Rechte sogar durch Interdiktion.
Durch die zitierte Urkunde des Königs Béla IV wurde nicht nur das Problem der Abgabe von Fertő geklärt, sondern um die Streitparteien zu beruhigen, veranlasste der König auch die Bestimmung der Grenzen zwischen Sopron und Fertő. Vorher erteilte er dem Kloster in Pannonhalma Befehl, daß die Abgesandten Comes Osl und sein Sohn, der in Dokumenten als Herbord der Große erwähnt wird, zusammen mit ihm, als königliche Begleiter die Grenzen des Guts Rákos bestimmen sollen. Nach dieser Hotterbegehung entschied König Béla, wie folgt: das erste Grenzzeichen an der südlichen Seite von Rákos, beim Gut des Truchsessen Págya befindet sich auf einem Hügel (heute wird dieser Hügel „Pintytető“ genannt). Von dort werden weitere vier Grenzzeichen aufgestellt, bis zur Heilwasserquelle. Östlich zieht sich die Grenze bis zum Fertő. Vom Ausgangspunkt verläuft sich die Grenze westlich entlang eines bewaldeten Hügels. Zwei, unter Birnbäumen aufgestellte Grenzzeichen bezeichnen die Grenze, die sich bis zur Steinbrücke „Sasad“ und zur Grenze von Peresznye (Cinfalva – Siegendorf) zieht, von dort dann in östlicher Richtung bis zum „Macska“ oder „Madaska“ genannten Markstein Richtung Meggyes, bis zur Hauptverbindung nach Sopron.
Diese Beschreibung zeigt, daß im Zuge der späteren, öfters wiederaufgenommenen Grenzstreitsache zwar einige kleine Änderungen vorgenommen wurden, aber bereits in der Regierungszeit von Béla IV der bischöfliche Besitz so verlief, wie in den jüngsten Zeiten. Dieser Besitz umfaßte also einen Teil des bewaldeten Hügels in Richtung Sopron (Püspökerdő), die heutige Ortschaft mit dem felsigen Hügelland, die Grundstücke und Gärten Richtung Fertő sowie das Schilfdickicht von Fertő und jenen Teil des Sees, der Richtung Rákos zeigt.
Wegen der stattlichen Größe des bischöflichen Besitzes mußte dieser bereits vom Anfang an verwaltet werden. Nach den Verwüstungen der Tatarenzüge wurde das Zentrum des Besitzes wieder besiedelt. Hier wurden für den Besitzverwalter, seine Diener und Knechte Häuser errichtet. Da die kirchliche Zuständigkeit des Bischofs bis zur Lajta (Leitha) reichte und er diese Strecke öfters zurücklegen mußte und dabei den Rückweg nach Györ in kurzer Zeit nicht schaffen konnte, sollte selbstverständlich auch dem Bischof eine entsprechende Wohnmöglichkeit errichtet werden. Deshalb wurde für seinen Empfang und seinem zeitweiligen Hofstaat ein Schloß erbaut.
Diese Tatsache beschreibt ein Dokument vom 3. Juli 1311, das in soproner Archiv zu finden ist. Der győrer Bischof Miklós im Beisein des von ihm und vielen vornehmen Leuten aufforderten Kardinal Gentilis, päpstlicher Legat, vereinbart mit der Stadtverwaltung von Sopron die Zahlung von 100 Mark, weil die soproner Bürgerschaft den bischöflichen Palast demolierte (eine Kirche wird hier nicht erwähnt). Der Grund der Verwüstung liegt in der damaligen politischen Situation. Im Folge von Thronstreitigkeiten, nachdem die Arpaden ausgestorben waren, wurde Bischof Miklós (1308 – 1337), der Sohn von Heinrich Németújvári, eine riesige westliche Oligarchie, vom Kapitel von Győr als Bischof bestellt. Als Karl Robert den Thron bestieg, richtete er seinen Zorn gegen einen seiner bösesten Feinde, Graf Henrik und seine Verwandschaft. Deshalb wurden die Burg und das Landgut von Bischof Miklós in Győr besetzt. Der Rat von Sopron, vielleicht um den König eine Gefälligkeit zu erweisen oder aber vielleicht um die Entstehung einer bischöflichen Siedlung zu verhindern, ließ das Schloß von Rákos und die umliegenden Häuser niederreißen. Bischof Miklós bat den Papst Kelemen V. um Hilfe und auf seine Aufforderung wurde vom König Győr dem Bischof zurückgegeben. Durch die Vermittlung des Kardinals Gentilis konnte für die in Rákos verursachten Schaden in Sopron ein Schadenersatz gefordert werden.
Die Urkunde mit dem Siegel vom Bischof Miklós bestätigt die Auszahlung von 100 Mark und es wird angeführt, daß diese Summe dem Kardinal, als römische Schulden der Domkathedrale Győr bezahlt wurde. Die von Jenő Házi herausgegebenen Urkunden berichten später darüber, daß wegen der Nichtbezahlung der 100 Mark auch der Nachfolger von Miklós, Bischof Kálmán mit der Stadt einen Prozeß geführt hat und erst 1355 gelang es ihm, die Summe samt Zinsen zu bekommen. Diese zwei Aussagen stehen im Widerspruch. Aus Mangel an schriftlichen Beweisen kann nicht nachvollzogen werden, ob Bischof Miklós, bzw. sein Nachfolger die Summe noch einmal verlangt hätten, oder daß es von der Stadt Sopron lediglich um eine Zusage gehandelt hätte, wobei die 100 Mark beim Übereinkommen schließlich nicht bezahlt wurde. Diese letztere Version ist jedoch nicht wahrscheinlich, sonst hätte die Stadt die offizielle bischöfliche Bestätigung nicht erhalten können.
Die Tatsache, daß das Schloß in Kürze aufgebaut wurde, geht auch aus jenem Brief hervor, welchen Bischof Miklós im Jahre 1318 von Rákos nach Eisenstadt geschickt hatte.
Während in der Urkunde von Béla IV. konsequent Rákos steht, erwähnt der Ausgleich vom 1311 zum ersten Mal den Namen Kroisbach. Sowohl der ungarische als auch der deutsche Name stammt von jenem Bach, der etwa bei der Grenze zu Cinfalva (Siegendorf) entspringt und entlang dem Hügelland vom späteren Dorf Rákos sowie dem Püspökerdő schon vor langer Zeit sich einen tiefen Graben gezogen hat, und bis zum flachen Fertőgebiet reicht. Den Namen verdanken der Bach und auch die Siedlung den vielen, im Bach lebenden Krebsen.
Wie bereits erwähnt, fanden auch außer den, von König Béla IV. befohlenen Hotterbegehungen mehrere Male Grenzänderungen statt. Über die nächste solche Grenzänderung schrieb die Urkunde des erwähnten Königs Sigismund. Demnach wurde nämlich vom Bischof Kelemen Molnári ein weiteres Dokument vorgelegt, welches die Hotterbestimmung des königlichen Schatzmeisters Demeter beinhaltet und am 12. Tag der Achtelentrichtung an König Stephan der Heilige datiert wurde. In diesem Dokument wird jedoch nur jener Grenzteil erneut angeführt, der innerhalb des bischöflichen Besitzes die Stadt Sopron von dem Grundstück namens Págya trennt. Hier wurde die Hotterlinie in umgekehrter Richtung bestimmt. Ausgangspunkt war die Strecke, die um den Fertő liegt. Hier stand eine Erdaufschüttung für die Grenze, dann ging die Trennlinie über die Weinbergen bis zum bewaldeten Hügel. Hier wurde ein Grenzstein aufgestellt und in nördlicher Richtung standen weitere zwei Erdaufschüttungen als Trennzeichen von Págya. Dieses Grundstück war früher Truchseß – Gut und umfasste Äcker, Weingärten und Wälder von heutigen Kőhida bis zur Grenze zu Balf. Von diesem, Págya genannten Grund bekam Graf Lőrinc vom König Emerich einen etwa 500 – Joch Acker in Richtung balfer Grenze, weil er 1199 das Leben des Königs bei einem Bärenjagd in Maramures rettete.
Als die soproner Burg und der Landsitz 1278 königlichen Rang erlangen, sind die Truchseß – Besitze ins Stadteigentum übergegangen und 1324 wurde der Besitz von den Nachfolgern des Grafen Lőrinc von der Stadt auch angekauft. Nach dieser Grenzbestimmung verschwand endgültig der Name Págya und der Besitz gehörte nunmehr Sopron an. Trotz der Grenzbestimmung nahm die soproner Bevölkerung bereits im nächsten Jahr weitere Gründe des bischöflichen Guts in Besitz, aber Obergespan Lóránt gab diese Besitzergreifungen in seiner Verordnung vom 12. März 1335 dem győrer Bischof zurück.
Nach der mehrmals erwähnten Urkunde von Sigismund aus dem Jahr 1429, führte Sopron erneut Prozeß in Grenzsachen. Sigismund befahl dem stellvertretenden Kanzler von András, Abt von Csázma, im Beisein des Bischofs von Győr sowie der Vertreter der Stadt den Hotter zu begehen und eine Vereinbarung zu treffen. Über den Ausgang dieser Vereinbarung blieben keine schriftlichen Aufzeichnungen.
Nach dem Tod von König Sigismund bzw. von König Albert, kam es zu Thronstreitigkeiten zwischen König Wladislaw und der Königinwitwe Elisabeth und das győrer Bistum verlor für einige Zeit den Besitz von Rákos.
Da Königin Elisabeth Geldprobleme hatte, verpfändete sieum 8000 Forint u.a. auch Sopron an den deutschen König Friedrich. Friedrich ernannte Zsigmond Ebersdorfer als Stadthauptmann. Dieser wiederum nützte die Gelegenheit und nach dem Tod des győrer Bischofs Benedek Zólyomi im Jahr 1442 besetzte er die Burg von Rákos und das bischöfliche Gut mit sämtlichen, gewinnbringenden Rechten. Um seinen gewaltsam eroberten Besitz zu sichern, ließ er, neben Rákos, auf einem Hügel der Siedlung Katzendorf, in der Nähe von Fertő von Leibeigenen aus Rákos und aus anderen Dörfern eine kleine, aber widerstandsfähige Burg errichten. Diese Burg wurde Macskakő oder Katzenstein genannt. Ebersdorfer hatte mit der Einhebung des bischöflichen Zehnts keine Schwierigkeiten solang, bis im Jahr 1446 Ágoston Salánky (Széchy) zum Bischof ernannt wurde. Er forderte sofort den Zehnt für sich und weil die soproner weiterhin an Ebersdorfer zahlten, wurde die Stadtobrigkeit unter Interdikt gesetzt. Bei diesem leidigen Zwist half nicht einmal die Intervention von Friedrich III und dauerte bis zum Tod von Ebersdorfer im Jahr 1451 an. Friedrich intervenierte erneut und sprach den Zehnt für den Bezirk Sopron dem Bischof von Győr zu. Damit kam der Erbherr Albert Ebersdorfer um bedeutende Einnahmen und verkaufte deshalb 1452 Rákos und die Burg Katzenstein an János Ladendorfer. Während Ladendorfer hatte Macskakő einen schlechten Ruf, weil seine Leute in mehreren Dörfern des Komitats Sopron mit den Menschen gewaltsam umgingen und plünderten wo sie hinkamen. Die Burg galt als richtiges Raubschloß, als Ladendorfer im Jahr 1455 sein Eigentum um 850 Forint an Konrád Weitraher weiterverkaufte. Die Leute des neuen Schloßherrn belästigten innerhalb kurzer Zeit die Leibeigenen aus 16 Gemeinden des Komitats Sopron, vertrieben das Vieh, zündeten die Häuser an und töteten sogar einige Leibeigene. Sogar die eigenen Untertanen von Rákos wurden mit hohen Abgaben belegt, unabhängig davon, ob es ein gutes Weinjahr war, oder nicht. Er verlangte für jeden einzelnen Weingarten 4 Goldgulden. Die Gutsherren der gesamten Umgebung und seine Leute waren von Zorn erfüllt. Sogar mit Sopron standen die Burgbewohner auf dem Kriegsfuß als Weitraher den Zehnt von Sopron unbedingt für sich haben wollte.
Obwohl Sopron die Sache um den Zehnt auf Intervention von Ladislaus V mit dem győrer Bischof klären konnte, wurde wegen den andauernden Belästigungen auch Kaiser Friedrich um Hilfe gebeten. Dieser gab 1463 dem Rittmeister Ulrich Grafenegg schließlich den Befehl, Macskakő zu besetzten. Dieser dirigierte jedoch die Belagerung von Niederösterreich und da sich die Burgherrschaft die Burg beherzt verteidigte, wurde die Angreifertruppe besiegt. Nach der gescheiterten Belagerung aliierte sich Weitraher mit dem hussitischen Oberhaupt Heinrich Mikranszky aus Köpcsény, um seine Burg zu vertreidigen und brachte dessen Soldaten in die Burg. Zusammen mit seinem neuen Verbündeten erklärte er den Krieg sogar Friedrich III.
Diese gespannte Situation wurde schließlich vom König Matthias beendet. 1464 konnte er Sopron vom Pfand Friedrichs III einlösen und gab dem Burghauptmann Ambrus Török den Befehl, Macskakő niederzureißen. Ambrus Török verhaftete einfach Weithraher und seinen Unterführer Vaclab Wulczko in Sopron und kerkerte die beiden an. Die Bedingung für die Freilassung war, pro Kopf 2000 Goldgulden zu zahlen, die Niederreißung von Katzendorf und Katzenstein zuzustimmen und daß sie diese Gegend mit ihren Heeren für immer verlassen. Die Inhaftierten stimmten schließlich zu und das gefürchtete Raubschloß wurde unter Schutz der Soldaten von Török von der Stadtbevölkerung mit dem Erdboden gleichgemacht. Dies geschah Ende 1464. Der Bürgermeister von Sopron gab den Maurern nach der verrichteten Arbeit als Dank je 1 Denarpfund.
Die Niederreißung gelang so gut, daß bisher nicht möglich war, die genaue Lage der Burg zu rekonstruieren. Eines is sicher, nämlich daß die Burg auf dem Hügel in Richtung Meggyes, auf dem Abhang, der zu Fertő zeigt, stand. Dafür spricht die Tatsache, daß sich in den alten Zeiten dort zwei Steinbrüche befanden und die Burg aus Steinen von dort errichtet wurde, weiters der Name Katzendorf und der Brunnen Macskakő in der Nähe.
1465 bekam Bischof Salánky den Besitz von Rákos zurück und im nächsten Jahr beauftragte er den Gutsverwalter Vilmos Schildmann, den Zehnt einzuheben. Vorher verpachtete er den Zehnt jährlich an Grafenegg und an den Grafen Ulrik Czilley.

Der Besitz Rákos und seine bischöflichen Gutsherren im Mittelalter

Da es aus den Zeiten vor den Tatarenzügen sehr wenig Informationen gibt, es ist schwer abzuschätzen, in welchem Verhältnis die Gutsherren und seine Untertanen miteinander standen. Dieser Aspekt ist jedoch auch nicht sehr relevant, weil es keine Daten für die Zeiten vor den Tatarenzügen über den Besitz Rákos gibt.
Aufgrund der Tatarenzüge und der Kriege mit Ottokár ist anzunehmen, daß in der Zeit der letzten Zwei Arpadenkönige die bischöfliche Siedlung Rákos mit einer Steinmauer, wie eine Burg umgeben war. Durch die damals schwache öffentliche Sicherheit war wichtig, daß die Siedlung von überraschenden Angriffen und Gewaltsamkeiten geschützt wird. Die Burgmauer wurde erst nur um das bischöfliche Schloß, die Häuser der Diener und das Mauthaus, die das Schloß umgaben, errichtet, also an der südlichen Seiteder heutigen Ortschaft.
Der Besitz von Rákos bestand hauptsächlich aus Ackerland und Wald. In der Zeit der Arpadenkönige war der Ackerbau nur schwach entwickelt. Auf dem Besitz lebten nur wenig Diener und deshalb wurde nur soviel Boden bestellt, der die Bewohner der Siedlung versorgen konnte. Die vielen Weideflächen bei Fertő ermöglichten jedoch die Viehhaltung. Die Einnahmen des Bischofs von Győr wurden aber nicht durch Ackerbau und Viehhaltung gesichert, sondern durch die Verpachtung der Rechte, die der Gutsherr auf seinem Besitz genießen durfte, wie z.B. die Seemaut von Fertő, Jagd und Fischerei, die Einhebung des Getreide- und Weintraubenzehnts auf dem Gut des Erzdechantes. Das alles stand dem győrer Bischof zu. Dazu war die Beschäftigung eines Personals notwendig und somit begann die Entwicklung der Siedlung.
Wie bereits erwähnt, gebührte die Seemaut von Fertő für die Seite bei Rákos allein dem Bischof. Die Maut wurde im Mauthaus entrichtet, das in der Siedlung gegenüber dem Schloß erbaut wurde. An der Seite in Richtung Fertő gab es ein Tor und durch dieses Tor konnten Güter hineinbefördert werden. Für jede einzelne Gütersorte wurde gesetzlich festgelegt, wieviel Maut dafür eingehoben werden kann. Nördlich vom Tor, etwa 400-500 Schritte entfernt entspringt eine ergiebiger Quelle.
Diese wird von den Einheimischen heute noch Quaiquelle genannt, d.h. „Hafenquelle“. Obwohl die Quelle im vergangenen Jahrhundert zum Teil verschüttet wurde, ist diese heute noch so ergiebig, daß sie durch einen mächtigen Kanal direkt in den Fertő fließt. Dieser Kanal wurde auch für die Warenbeförderung mit Booten benutzt. Neben der Quelle gibt es heute noch große Holzpfähle, die der Befestigung der Boote dienten. Es gibt zwar keine schriftlichen Aufzeichnungen, aber es ist kaum denkbar, daß über den Fertő damals grössere Mengen an Ware befördert worden wäre. Dieses Recht brachte also keine bedeutenden Einnahmen.
In den Wäldern und im Schilfdickicht gab es viel Wild, vor allem Hirsche und Wildschweine. Das Schilfdickicht war voll von vielerlei Wasservogeln. Im Fertőgebiet und in Hanság lebten auch noch Anfang dieses Jahrhunderts mehrere Arten von Wasservogeln miteinander in Frieden: Störche, Reiher, Teichrohrsänger, Imbergans, Schnepfen, Wildgans, Wildente, sogar Schwäne und Pelikane lieferten den Jägern ein richtiges Konzert. Im Fertő gab es reichlich Fische : Waller, Karpfen, Karausche und später auch Hecht. Durch Jagd und Fischerei wurden also bedeutendere Einnanhmen erzielt. Konkrete Angaben darüber, ob diese Tätigkeiten wirklich erfolgreich waren, wie sie ausgeübt wurden und wo man das Wild und die Fische verkauft hat, gibt es aus diesen Zeiten nicht. Lediglich András Bogáti, der Bruder des Schloßverwalters Pál erwähnte einmal in einem Brief seine Fischernetze. Über die Fischerei erfährt man mehr aus der Zeit nach dem Tod vom König Matthias und wird in diesem Buch im Teil über die Geschichte der Gemeinde Rákos ausführlicher behandelt.
Seit die Gemeinde existierte, kamen Einnahmen für die Besitzverwaltung hinzu durch das sog. „Neuntel“, durch Regalrechte, aber den größten Gewinn für den Gutsherr bedeuteten die Abgaben und der Zehnt.
Nach der Landnahme wurden die Besitze des Landes unter den Feldherren unter sich, im Einvernehmen aufgeteilt. Während der Regierung des Königs wurden jedoch Grundstücke nur mehr belehnt, und Fremde oder Einheimische für besondere Verdienste ließ der König in einem Spezialdokument als Gutsherren eintragen. Solche adelige Gutsherren mußten keine Abgaben entrichten, stattdessen waren sie verpflichtet, im Krieg als Soldaten zu kämpfen. Nach jedem Besitz erhielt der König eine sog. Pfortenmaut. Als Pforte galt eine bestimmte Zahl, meistens 4 Grundstücke von Leibeigenen.
Die Gutsherren haben nach den Tatarenzügen eingeführt, Urbarialverträge nach westlichem Muster abzuschließen. Das bedeutete, daß der Bewerber ein Haus und ein Grundstück von etwa 30-40 Joch bekam und dafür verpflichtete er sich, an bestimmten Tagen für den Gutsherrn zu arbeiten und ihm Neuntel zu bezahlen. Der Gutsherr bekam weiters Lein, Hanf, Honig, Federvieh und Lämmer. So entstand die Leibeigenschaft in der Form, die man sie aus dem Mittelalter und aus der Neuzeit bis 1848, kennt. Dieses Pachtverhältnis ließ jedoch später für die Übergriffe und Habgier des Gutsherrn freies Spiel. Besonders in Zeiten der Not wurde dadurch das Leben der Leibeigenschaft sehr erschwert.
Die Erhaltung der Kirche war gemäß den Gesetzen von König Stephan durch der Zehnt gesichert. Die Leibeigenen mußten also den 9. Teil der Ernte und der Weinernte dem Gutsherrn und den zehnten Teil dem Bischof abliefern. Wenn der Bischof gleichzeitig Gutsherr war, wie z.B. in Rákos, bekam er beide Teile. Der Zehnt wurde jedoch vom gesamten Gebiet der Diözese, für jeden Besitz eingehoben. Der Zehnt stellte also eine bedeutende Einnahme für das Bistum dar.
Das ungarische Wort „dézsma“ (der Zehnt) wurde aus dem Lateinischen „decima“ abgeleitet und wurde von den Beaftragten des Bistums, unter Aufsicht der Sachwalter des Gutherrn, eingehoben. Der Zehnt konnte vom Bischof für eine bestimmte Zeit auch verpachtet werden.
Auf dem Besitz des Domkapitels wurde der Zehnt vom Bischof meistens dem Kapitel überlassen. Auch sonst gehörte nicht die ganze Summe für die Besitze entrichteten Zehnts dem Bischof. Es kam oft vor, daß er ein Viertel des Zehnts – auch im Falle von Rákos – für dessen Erhaltung dem Kapitel überließ. In jedem Pfarrbezierk erhielt der Pfarrer aus dem Zehnt für seine Gemeinde einen Sechzehntelteil (sedecima). In größeren Städten und Burgbesitzen war der Bischof verpflichtet, aus dem Zehnt ein Zwanzigstel für die Burgverteidigung zu überlassen.
Die Zehnteinhebung wurde mit der Zeit nach bestimmtem Brauch durchgeführt. Den Zehnt für die Ernte mußte von den Stadt- und Dorfbewohnern bis Mariä Himmelfahrt (15. Augus) abliefern und die Weinerte bekamen die Zehntner aus den Weinkellern erst nach dem Martinitag (11. November). Fässer von weniger als 2 Ohm waren vom Zehnt befreit. Nach Gewohnheitsrecht war der Bischof in manchen Gemeinden – z.B. auch in Sopron – verpflichtet, alle Leute, die bei der Einhebung des Zehnts mitgeholfen haben und die Stadtväter zu bewirten.
Sopron erlaubte dafür dem Bischof, im Vorort ein Haus zu beschaffen, um dort Getreide und Wein aus dem Zehnt zu lagern, bis er diese im großen absetzen kann. Den Wein durfte er jedoch nicht ausschenken.
Im gesamten Bezirk des soproner Erzdechants wurde die Einhebung des Zehnts meistens vom Burgvogt von Rákos oder dem Verwalter mit dem eigenen Personal durchgeführt und dazu bekam er Hilfe von der betroffenen Gemeinde, unter Ümständen auch den Schutz. Oft wurde der Zehnt vom Bischof wohlhabenden Adeligen verpachtet, wie z.B. im Falle von Katzenstein, wo diese Adeligen immer mehr Macht ergriffen haben und die Einhebung des Zehnts später mit Schwierigkeiten verbunden war. Bischof Salánky verpachtete den Zehnt mehrmals an Ulrik Czilley und Grafenegg.
Aus den Zeiten nach der Tatarenzüge werden hier nur die bedeutendsten Bischöfe, gleichzeitige Gutsherren, und jene, die für Rákos zuständig waren, angeführt.
Bischof Gergely (1223 -1241) – starb in der Schlacht von Moh.
Omodeus II (1254 – 1267) – ließ die Kathedrale von Győr wiedererrichten, hatte verkommene Besitze wiedererworben und unternahm Schritte im Interesse von Rákos, wie oben erwähnt.
Tivadar Tengerdi (1295 – 1308) – früher war er rechte Hand des Königs Andreas III, später oberster Rat von Karl Robert. In Révfalu, Vorort von Györ trug eine Gasse bis in den jüngsten Zeiten seinen Namen.
Nikolaus II (1308 – 1337) – aus dem Grafengeschlecht von Németújvár (Güssing). Er traf eine Vereinbarung mit Sopron in der Sache des niedergerissenen Schlosses von Rákos. Seinen Besuch in Rákos beschrieb er in einem Brief, den er nach Kismarton (Eisenstadt) schickte.
Kálmán (Koloman)I (1337 – 1375), Sohn von Karl Robert, intervenierte in einem Brief für die Leibeigenen aus Rákos beim Festungskommandant. Darauf kommen wir in diesem Buch noch später zurück.
János I. Héderváry (1386 – 1416). Anfangs war er mit Sigismund sehr verfeindet. Er ließ die gothische Szent – László – Kapelle in der Kathedrale von Győr errichten.
Kelemen Molnár (1417 – 1438) – er und sein Bruder wurden von der Familie Kanizsay adoptiert. Er führte Prozeß mit Rákos wegen der Lagerung und Ausschenkung des Zehntweines.
Ágoston Salánky (Széchy) (1447 – 1466) – auch er verhängte die Interdiktion über die Stadt, wie Molnári, wegen Unrechmäßigkeiten bei der Zehntverwaltung. Es gelang ihm, die verpfändeten Besitze von Rákos zurückzugewinnen.
Demeter Csupor (1466 – 1481) – von ihm wurde der Stadt Sopron 1000 Goldgulden geliehen, die in den Jahren nach 1890 getilgt wurden.
Orbán Dóczy Nagylucsei (1481 – 1486) – Finanzminister des Königs Matthias.
Er war ein sehr beliebter Mann und während Matthias in Österreich Kriege geführt hat, hielt er sich meistens in Rákos auf. Er lud sogar den König in seinem Schloß ein. (Der König soll an Jagd teilgenommen haben.) Nach der Einahme von Wien wurde er von dem König auch dort Bischof ernannt. Dóczy ließ in der győrer Bischofsburg die schöne, gothische Kapelle, die nach ihm benannt wurde, erbauen.
Tamás II. Bakócz (1486 – 1499). – er war der einzige ungarische Papstkandidat. Bakócz wurde später Erzbischof von Esztergom.
Zuletzt wird noch Balázs Paksy (1525 – 1526) erwähnt, der zusammen mit anderen ungarischen Bischöfen sein Leben in der Schlacht von Mohács verlor.
Die oben beschriebenen beweisen, daß der bischöfliche Prokurator, der Burgvogt und der Verwalter in Rákos immer eine bedeutende Rolle hatten. Sie waren für die Sicherheit der Burg zuständig, leiteten die Produktion, hatten eine Position als Vorstand der Siedlungsbewohner und waren Wächter der Justiz.
Aus den alten Zeiten blieben uns nur sehr wenige Namen von Burgvögten und Verwaltern erhalten, wie z.B. András Peredi im Jahr 1368, Pál Bogáti aus 1413, der eine Weile bei seinem Bruder András gewohnt hatte, Jankó Horváth, 1430, ein gewisser Herr János aus dem Jahr 1441 und Vilmos Schildmann im Jahr 1465.
Lediglich diese Daten wurden uns schriftlich aus dem Mittelaler über den Besitz Rákos überliefert.

 

Der Besitz Rákos nach der Niederlage von Mohács

Die Niederlage von Mohács bedeutete für Ungarn einundhalb Jahrhundert Not und Leid und dies hatte natürlich auch für Rákos eine Wirkung. In der Schlacht starben mehrere mitglieder des ungarischen Episkopiats, u.a. auch Balázs Paksy, Bischof von Győr, und dadurch blieb der Bischofsstuhl bis1535 unbesetzt. Das war das zweite Mal, wo der Besitz Rákos vorübergehend nicht dem győrer Bistum gehörte. Im Zuge der Thronstreitigkeiten zwischen János Szapolyay und Ferdinand I, wurde Sopron von der Königinwitwe Maria Ferdinand zugesprochen und als Gegenleistung erfüllte am 4. Januar 1527 Ferdinánd die Bitte von Sopron und gab den Besitz der Stadt. Sopron nutzte die Gelegenheit und von nun an gehörte Rákos zu seinen Dörfern. Wie damals üblich, wurde einer der Ratsmitglieder zum Grafen von Rákos ernannt. Gemeindegrafen waren verpflichtet, die Angelegenheiten des Fronguts zu verwalten und erhielten dafür Bezahlung von der Gemeinde. Die Grafen wechselten sich jährlich und man kennt nur den Namen des Grafen Bertalan Ofner aus dem Jahr 1528. Zur Erleichterung der Leibeigenen von Rákos dauerte die Hoheit von Sopron nicht lange, da am 13. Oktober 1528 Ferdinand erneut einen Befehl ausgab in dem er Rákos von Sopron wegnahm und ordnete den Wiederaufbau der beschädigten Burg von Szombathely an. Die Burg von Szombathely gehörte zwar dem Bistum von Győr, aber sowohl über die Burg als auch über den bischöflichen Besitz herrschte damals Pál Bakits, der Rákos erst 1533 zu seinem Besitz nahm. Das Recht für Zehnteinhebung verpfändete Ferdinand seiner Schwester, der Königinwitwe Maria, die Ákos Gráb mit der Einhebung des Zehntes beaftragte. In Sopron half ihm dabei Farkas Wetzer.
1535 wurde vom Ferdinánd Ferenc Újlaky als Bischof von Győr ernannt (1535 – 1554) und es wurden nacher weitere Bischöfe, ohne Unterbrechung ernannt. Für die Diözese brachte das nicht viel, weil damals versahen die győrer Bischöfe auch hohe Staatsposten. Die staatliche Regierung verlief schwerpunktsmäßig hauptsächlich in Pozsony (Bratislava), bzw. in Wien, später in Prag und die győrer Bischöfe als königliche Kanzler oder als Vorsitzende des Statthalterrats waren mit staatlichen Angelegenheiten derartig beschäftigt, daß für die eigene Diözese nicht viel Zeit übrig blieb und sie konnten sich um eine entsprechende Ausbildung von Nachwuchspfarrern nicht kümmern. Die vielen, nicht entsprechend gebildeten und zügellosen Pfarrer waren nicht fähig, die von Martin Luther initiierte Kirchenspaltung zu verhindern. So kam dazu, daß Sopron 1565 sich offen zum Luthertum bekannte und es folgten von den umliegenden sieben Dörfern fünf, nämlich Balf, Harka, Bánfalva, Ágfalva und Meggyes. Nur die zwei kroatischen Gemeinden Kópháza und Kalénpatak (Klingenbach) widersetzten sich der Spaltung. Rákos blieb unter bischöflichem Schutz natürlich auch weiterhin katholisch.

Da die Stadt bereits während Bischof Pál Gregoriáncz (1554 – 1565) mit dem Gedanken der Reformation spielte, war bei der Bevölkerung von Ödenburg und Kroisbach eine gewisse Unruhe spürbar. In den wäldern um Ödenburg und Kroisbach fand 1557 ein Zusammenstoß zwischen den Leibeigenen der zwei Ortschaften statt. Es gab mehrere Verletzte und an der Grenze zu Mörbisch wurde ein Leibeigener aus Kroisbach sogar getötet. Die Untersuchung des Falles zog sich in die Länge und der ödenburger Rat verlangte eine neue Grenzbestimmung. Im Auftrag des Bischofs hat Pater (keresztes pap) und Erzdechant Sebestyén Dalmadyin dieser Angelegenheit Verhandlungen geführt, die zwei Parteien konnten sich aber nicht einigen. Die Sache war noch nicht einmal geklärt, als 1564 sich Gregoriáncz bei der Stadt erneut beschwert hat, daß die ödenburger seinen Garten verwüstet, und in seinen Wäldern große Schäden angerichtet haben. Er teilte schriftlich mit, daß er das strittige Waldstück zuerst persönlich besichtigen möchte, vorher könnte er keinerlei Zusagen treffen.
Zwistigkeiten entstanden auch wegen der Eintreibung des Zehnts, den die Stadt Ödenburg für sich bekommen wollte, aber vom Kardinalbischof Zakariás Delfini (1565 – 1571) Tamás Nádasdy verpachtet wurde. Es wurde erneut ein Ansuchen beim Bischof János Liszthy (1572 – 1577) eingereicht, da aber weil die angebotene Summe lächerlich gering war, verpachtete er den Zehnt an den Sohn von Nádasdy, namens Ferenc, weiter. Dieser ging bei der Einhebung des Zehnts oft rücksichtslos vor und wurde von der Stadt Ödenburg angezeigt. Nádasdy soll mit seinen hohen Anforderungen den Stadtbewohnern 1000 Taler Schaden verursacht haben. Als Abgesandter des Papstes, wurde der Propst Márton aus Wien beauftragt, die Angelegenheit zu klären.
Kardinalbischof György Draskovich I (1578 – 1587) hielt sich oft in Kroisbach auf. Er begann, das verfallene bischöfliche Schloß herzurichten. Wie dies später auch beschrieben wird, war er der Wegbereiter der Entwicklung von Kroisbach.
Durch den sogenannten langen Türkenfeldzug am Ende des Jahrhunderts, der 15 Jahre gedauert hat, stieg für das Bistum die Bedeutung der kroisbacher Burg. Durch die Unterdrückung der Stadt Raab, später dann durch ihre Besetzung wurde die gesamte Diözese hauptsächlich von Kroisbach aus verwaltet. Als das heimatlos gewordene sich in Ödenburg niederließ, richtete sich auch das Bistum von Raab auf dem Besitz von Kroisbach ein.
Bereits während Bischof Péter Heresenczy (1587 – 1590), der weit entfernt lebte, hielt sich hier oft der Dompropst István Mátéssy auf , der zuerst bichöflicher, dann später, nach Freiwerden des Postens allgemeiner Kapitelvikar wurde.
Von hier aus dirigierte er die oft sehr undurchsichtigen Angelegenheiten der ödenburger Geistlichkeit und kämpfte erbittert mit der ödenburger Bevölkerung wegen den, vom Erzherzog Ernő ausgewiesenen Predigern. Laut Aufzeichnungen des wiener Klesterret, wurden von ihm, als Bischof von Waitzen in Neusiedl am See des öfteren Priesterweihen durchgeführt.
Nach seinem Tod hielt sich zuerst Bischof János Kutassy (1592 – 1597) oft in Kroisbach auf. Als er Erzbischof von Gran wurde, wählte sein Nachfolger, Bischof Márton Pethe (1598 – 1605) Kroisbach zu seinen ständigen Residenz. Zwar konnte er nicht immer anwesend sein, weil er als Vorsitzender des Statthalterrats oft nach Preßburg, Wien und Prag reisen mußte und auch den bischöflichen Sitz in Raab aufsuchte, kehrte aber nachher immer wieder nach Kroisbach zu seinen Dauerwohnsitz zurück. Von hier aus redete er oft in den Zwistigkeiten des ödenburger Kirchengeschehens mit und kämpfte um den bischöflichen Zehnt, um die Kalenderreform, Grenzstreitigkeiten und um persönliches Unrecht.
Hier überreichte er 1601 Kristóf Lackner den Adelsbrief vom König, hier verpachtete er 1602 für 10 Jahre die ödenburger Pfründe an die Stadt, um die wirtschaft wiederzubeleben. Im selben Jahr hielt er bei sich drei Räte aus Ödenburg fest, weil diese trotz Verbot an Predigten in Nyék teilgenommen haben. Dadurch, daß seine Ankündigungen über die Kalenderreform an den Kircheneingängen von Ödenburg beschmutzt und abgerissen wurden, wurde er derartig vom Zorn erfüllt, daß er nicht bereit war, das Festessen für die Zehnteinhebung zu veranstalten.
Kaum wurde nach der Zurückeroberung von Raab der lange Türkenfeldzug beendet, bereitete der von Bocskay geführte Aufstand Márton Pethe große Sorgen. Er fühlte sich in der Burg von Kroisbach nicht mehr sicher und eilte in die verstärkte Burg von Steinamanger. Auf dem Weg dorthin nahmen ihn aber Aufständische fest und verletzten ihn schwer. Er starb in Wien in Folge seiner Verletzungen. Sein Leichnahm wurde in der Kathedrale St. Martin in Preßburg zur Ruhe getragen.
Nach dem Friedensabkommen von Wien wurde Demeter Naprághy (1606 – 1619) vom König zum Bischof von Raab ernannt. Da die bischöfliche Burg in Raab von deutscher Militär besetzt wurde, war der Bischof gezwungen, sich meistens in Kroisbach aufzuhalten. Er verbrachte dort oft Wochen und unternahm von dort die Firmungsreisen. In Kroisbach führte er sogar Priesterweihen durch, u.a. wurde der hiesige Péter Masits, später Pfarrer von Fehéregyháza von ihm geweiht.
Nach dem Tod von Naprághy, während des Auftsandes von Gábor Bethlen, im Jahr 1619 fiel Kroisbach für eine kurze Zeit erneut in fremde Hände. Die Stadt Sopron öffnete seine Pforten für Bethlen, der als Dank Kroisbach gegen 12000 Gulden der Stadt überließ. Er behielt sich lediglich das Recht der Zehteinhebung. Für Sopron war dieses Besitztum von großer Bedeutung, weil dieser der letzte Schritt dazu war, alle fünf umliegenden Dörfer im Besitz zu haben. Die Stadt zögerte nicht lange, den neuen Besitz zu belegen und wie dies im Ratsprotokoll festgehalten wurde, mußten die zahlreichen Fremden, die sich dort niederließen, ihre Zeugnisse vorzeigen.
Öfters drängte man auch die offizielle Besitzeintragung, die allerdings erfolglos blieb. Bei den eingeleiteten Friedensverhandlungen wurde die Rückgabe der rechtmäßigen Besitztümer vereinbart und die im Jahr 1622 in Ödenburg abgehaltene Parlamentssitzung gab Kroisbach dem Bischof Bálint Lépes (1619 – 1623) zurück. Für die Habgier der Stadt Ödenburg war eine wohlverdiente Stafe, daß der Kaufpreis von Bethlen nicht mehr zurückerstattet wurde.
Bálint Lépes und seine Nachfolger Miklós Dallos (1623 – 1630) und István Sennyei (1630 – 1635) konnten sich um Kroisbach nicht besonders viel kümmern, weil ihr ganzes Interesse und finanzielle Unterstützung der Renovierung des Sitzes in Raab, sowie der Errichtung eines Priesterseminars, weiters der Wiederaufbau der durch die Türkenfeldzüge und Aufstände zerstörten katholischen Institutionen und vernachlässigten seelsorgerischen Tätigkeit galt.
Eine viel engere Beziehung zu Kroisbach pflegte der Bischof György Draskovich II (1635 – 1650), der für die Errichtung von kirchlichen Institutionen noch mehr finanzielle Opfer als seine Vorgänger, brachte. U.a, wurde von ihm das Katholische Gymnasium von Ödenburg errichtet, das er den von ihm angesidelten Jesuiten anvertraute. Mit der deutschsprachigen Stadt korrespondierte er stets in ungarischer Sprache und übte das Patronatsrecht sehr streng aus. Als er in seinem bischöflichen Besitz einzog, versetzte er Mihály Fenessy, den Verwalter des vorherigen kroisbacher Guts nach Ödenburg und beaftragte ihn dort mit der Verwaltung seines dortigen Benefiziums und mit der Erledigung sämtlicher Angelegenheiten mit der Stadt. Im Jahr 1639 delegierte er sogar István Károly, den Nachfolger in Kroisbach hinzu, um die Erweiterung der ödenburger Kirchengemeinde zu fördern. Kroisbach selbst spürte von der Freigebigkeit Draskovich´s nicht viel, sondern das Gegenteil, denn die Bewohner des Besitzes mußten oft seine Härte erfahren. Er wünschte eine intensive, gewinnbringende Wirtschaft, damit er dadurch seine Stiftungen finanzieren kann. Er forderte konsequent alle Abgaben und ging bei der Eintreibung der Zinsen schonungslos um. Rückstände ließ er sogar mit Heiduckengewalt eintreiben.. Einmal wurde sogar der Gemeinderichter wegen Widerstand abgesetzt.
Mit dem Kapitel von Raab war Draskovich besonders verfeindet. Dieser verfasste schriftlich alle Ungerechtigkeiten gegen ihn und den bischöflichen Besitz und beschwerte sich in einem langen Brief bei dem ungarischen Episkopiat. Von diesem wurde im Zuge der Nationalsynode im Jahr 1648 ein hartes Urteil verkündet. Seine gesamte Pfründe wurde beschlagnahmt. Diese wurden von György Széchenyi, Bischof von Veszprim weiterverwaltet und Draskovich bekam jährlich nur 5000 Gulden Unterhaltsgeld. Draskovich legte beim König Berufung ein. Der König entsandte ein Sondergericht, um die Sache zu untersuchen. An dieses Gericht reichten das Kapitel und die anderen Ankläger einen noch längeren Beschwerdebrief ein. Das Sondergericht von Preßburg traf zwischen dem 7. und 14. Januar 1649, nach einer eher oberflächlichen Untersuchung, bei der hauptsächlich die Ankläger als Zeugen fungierten, eine endgültige Entscheidung. Das Urteil lautete, daß Draskovitch fast sein ganzes Vermögen , das auf 132.000 Gulden geschätzt wurde, für die Wiedergutmachung der von ihm errichteten Schäden aufbringen mußte. Jener Teil des Prozesses, der sich auf Kroisbach bezieht, wird bei der Geschichte der Gemeinde ausführlich behandelt. Die erlittenen Demütigungen beschleunigten den Tod von Draskovitch. Er starb 1650 in Wien. Sein Leichnahm wurde in der Jesuitenkirche Szent János zur Ruhe getragen.
Sein Nachfolger wurde János Püsky (1651 – 1657). Mehr über seine Tätigkeit im geschichtlichen Teil der Gemeinde. Später besetzte György Széchenyi den Bischofstuhl (1658 – 1685). Er setzte sich tapfer gegen den königlichen Absolutismus durch, ordnete die teuere Verstärkung der im Westen des Landes gelegenen Grenzfestungen an, stiftete zahlreiche kirchliche Institutionen, und spendete große Summen für Befreiungskriege und Versorgung von invaliden Soldaten. Dadurch prägte sein Name unvergänglich die Geschichte der Nation und der Kirche. Von Kroisbach aus, wo er sich öfters aufhielt, dirigierte er zusammen mit Bischof Kollonich in Ödenburg und Umgebung die Zurückeroberung der von den Protestanten in Besitz genommenen Kirchen. Weiters ließ er das bischöfliche Schloß erweitern und ordnete den Umbau der Kirche an. Während des Landtags im Jahr 1681 in Ödenburg beehrte ihn König Leopold I mit einem Besuch. Darüber wurde eine Gedenktafel im Schloß angebracht.
1683 plünderten die sich nach Wien vordringenden Türken seinen Besitz in Kroisbach und verwüsteten das Schloß. Aus dem Zehnthaus in Ödenburg mußte man 170 Metze Getreide ins wiener Lager des Großvesirs transportieren. Széchenyi flüchtete vor den Türken nach Wien. Nach der Zurücktreibung der Türken betraute ihn der Stadtrat als Entschädigung für die erlittenen Verluste und aus Dank für seine wohltätigen Unterstützungen mit der Altarverwaltung von Ispotály.
Da er in Kroisbach keine Unterkunft hatte, wurde ihm von der Stadt Ödenburg die Erlaubnis erteilt, sich in Ödenburg beliebig einzuquartieren.
Seine nächsten zwei Nachfolger, Graf Lipót Kollonich (1685 – 1695) und Ágost Keresztély, sächsischer Herzog (1696 – 1725) waren Bischöfe von Raab und gleichzeitig Erzbischöfe von Gran. Kollonich sakrierte die nach den Türkenverwüstungen restaurierte Kirche von Kroisbach.
Als sächsicher Herzog war Ágost Keresztély bei der Belagerung der Burg in Ofen dabei. Er kehrte vom evangelischen Glauben in die katholische Kirche zurück, wurde Pfarrer und im Jahr 1696 wurde er zum Bischof von Raab geweiht. Später erlangte er den Titel des Fürtsprimas für das Erzbistum in Gran. Er hielt sich oft in Kroisbach auf. 1700 bestellte er die führenden katholischen Männer aus Ödenburg nach Kroisbach und beuftragte sie mit der Verwaltung des Vermögens der kirchlichen Zünfte. Auf diese Weise wurde er zum Wegbereiter der Förderung und finanziellen Stärkung des Katholischen Konvents, der in Ungarn als einmalige Institution unter der Führung von Weltlichen stand. Als er zum Bischof geweiht wurde, nahm er aus Deutschland János Mihály Schilson mit, den Schankwirtsburschen aus Königshof a.d. Tauber. Er wurde später Gutsbesitzer in Ödenburg, erlang den Freiherrntitel und schrieb seinen Namen in die Geschichte von Kroisbach mit einer großzügigen Stiftung ein.
In der Geschichte von Kroisbach sind noch der Kardinalbischof Fülöp Sinzendorf (1726 – 1732) sowie Adolf Groll (1733 – 1743) zu erwähnen. Der Letztgenannte führte von Kroisbach aus die Trennung der Pfarren von Wolfs und Kolnhof durch.
Während Graf Ferenc Zichy (1743 – 1783), der lange Zeit Bischof war, erlebte der Glaubensleben seine Blütezeit und bereicherte seine gesamte Diözese (Kirchengemeinde) mit zahlreichen Kunstwerken. Er gab dafür nicht nur seine bischöflichen Einnahmen, sondern auch sein ganzes Vermögen aus, sodaß seine Besitztümer unter vorläufiger Kurater gestellt wurden. Mit seinem Namen ist der endgültige Ausbau und die Verzierung des bischöflichen Schlosses in Kroisbach, sowie die monumentale Einrichtung der Pfarrkirche verbunden. Er weilte gern in Kroisbach, vor allem dann, wenn er seine Angelegenheiten mit der Stadt Ödenburg oder die geistlichen Probleme in Ödenburg selbst erledigen wollte.
Zu Feierlichkeiten in Ödenburg fuhr er vom kroisbacher Schloß mit einer von vier Pferden gezogenen Kutsche vor, wie zum Beispiel bei Firmungen, oder im Jahr 1775, am Tag der Jubelmesse seines ehemaligen Schulkameraden, des Stadtpfarrers, György Primes, 1779, bei der feierlichen Inaugurierung des ödenburger Kapitels.
Nachher gab er ein Festessen in seinem kroisbacher Schloß und bewirtete die gesistliche und kirchliche Stadtobrigkeit an zwei langen Tischen.
Sein Nachfolger, József Fengler (1787 – 1802) besuchte des öfteren den Amtmann von Kroisbach, der mit ihm verwandt war. Er ließ für die Gemeinde den ersten Brunnen errichten.
József Vilt (1806 – 1813), weilte ebenfalls viel in Kroisbach. Hier wurden öfters amtliche Urkunden ausgestellt und in der Schloßkapelle wurde sogar Ferenc Tauber, der spätere Ortspfarrer von Ödenburg zum Priester geweiht. Nach seiner Jubelmesse, als er an den Folgen eines Schlaganfalles litt, erholte er sich längere Zeit in Kroisbach, wo er dann am 4. Oktober 1813 verstarb. Sein Leichnahm wurde in Raab, in der bischöflichen Gruft zur Ruhe getragen.
Die Bischöfe Ernő Schwarzenberg (1819 – 1821) und Antal Juramits (1825 – 1837) hinterließen in Kroisbach kein bedeutendes Andenken. Während der Regierungszeit der erwähnten zwei Bischöfe, sowie beide Male, wo der Bischofstuhl lange Zeit nicht besetzt war, wurden die Angelegenheiten der Kirchengemeinde vom bischöflichen, bzw. stiftischen Vikar erledigt.
János Sztankovics (1838 – 1848), der das heutige Gebäude der kroisbacher Pfarre errichten ließ, war der letzte Bischof, der Einnahmen des kirchlichen Zehnts genießen durfte. Die im ´48-er Jahr geschaffenen Gesetze schufen die Privilegien des Adels ab und das Verfassungssystem verlieh dem nationalen Geschehen einen ganz anderen Aspekt.
Unter dem Druck der allgemeinen euphorischen Stimmung in der Bevölkerung wegen der frisch erworbenen Freiheit hat das Episkopat auf das Recht der Zehnteinhebung freiwillig, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, verzichtet, obwohl diese Einnahme einen beachtlichen Teil der Einkünfte darstellte. Damit verbunden, brachte die Befreiung der Leibeigenen Änderungen auch für die Wirtschaft auf dem kroisbacher Besitz.
Nach Antal Karner (1850 – 1856), der in Ödenburg geboren wurde, wurde vom Bischof János Simor (1856 – 1867) die westliche Meierei und die sogenannte „Viragmajor“ für Wirtschaftung eingerichtet. Ebenfalls er war, der den Steinbruch nutzbar machte. Mehr über den Steinbruch in den folgenden Teilen des Buches.
József Lippert riet an, im Schloß eine Werkstätte für Glasmalerei einzurichten. Mit der Leitung der Werkstätte wurde der Maler József Wilfing beauftragt. Hier wurden u.a. die Glasmalereien der ödenburger Kirchen „Szent Mihály“ und „Szent Orsolya“ angefertigt. Nachdem Simor ins Erzbistum von Gran eingezogen ist, wurde die Werkstätte geschlossen.
Sehr oft weilte János Zalka (1867 – 1901) in Kroisbach. Seinen Urlaub verbrachte er regelmäßig hier. Er ließ sein Arbeitszimmer mit Marmor bekleiden und die Decke mit Fresken zieren. Ebenfalls er ließ die Kapellen in den zwei Meiereien erbauen.
Die nächsten Bischöfe, Graf Miklós Széchenyi (1901 – 1911), Árpád Lipót Várady (1911 – 1914), Antal Fetser (1915 – 1933), István Breyer (1933 – 1940) und Freiherr Vilmos Apor (1940 – 1945) kamen nur selten nach Kroisbach. Sie wählten das Schloß von Szany als Sommerresidenz.
1945 wurde das Gut von Kroisbach zusammen mit den anderen kirchlichen Großbesitztümern verstaatlicht. Die gutsherrliche Gerichtsbarkeit der raaber Bischöfe wurde nach mehr als 900 Jahren abgeschafft. Es blieb lediglich für eine kurze Zeit das pfarrkirchliche Patronatsrecht erhalten.

 

Das bischöfliche Gut von Kroisbach

a.) Der Charakter des Besitzes
König Stephan der Heilige schenkte den Bistümern nicht nur Besitze. Es wurden auch Menschen für die Betreuung des Gutes zugeteilt. Deshalb zählten zu den meisten Besitzen des raaber Episkopats nicht nur Grundstücke, sondern auch Dörfer. Es gaben aber auch kleinere Besitze, ohne Dörfer.
Kroisbach galt vom Anfang an lediglich als Bischofsbesitz und es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen darüber, daß dazu auch Dörfer gehört hätten. Die alten Dokumente nennen solche Besitze ohne dazugehörende Dörfer „Possessionen“.
In den alten Zeiten war also Kroisbach eher wie ein Vorwerk. In der Mitte des Besitzes stand das Herrenhaus des Gutsbesitzers und rund herum kleinere Häuser der Diener.
Diese Situation blieb noch nach den Tatarenzügen aufrecht. Die Urkunde des Königs Béla IV. erwähnt den Besitz einfach als Possession, die vermutlich über keine Leibeigenengemeinschaft verfügt hatte. Darauf weist auch die Urkunde aus dem Jahr 1311 hin. Darin steht nämlich, daß Bischof Miklós sich mit der 100 Mark Entschädigung von der Stadt Ödenburg begnügtefür die Verwüstung des Schlosses und der umliegenden Häusern.
Als Vergleich kann hier angeführt werden, daß gegen Ende der Arpadenzeit ein Steinhaus, also Palast um 20 Silbermark und 40 Fässer Wein verkauft wurde.
Die Grenze der Gemeinde Kroisbach, die durch die Grenzbestimmungen der vergangenen Jahrhunderte nicht wesentlich geändert wurde, belief sich bei der Bemessung in den ´30-er Jahren auf 6893 Katastraljoch. Dies beinhaltet auch die beinahe 2000 Katastraljoch große Wasseroberfläche des Neusiedler Sees und das Schilfdickicht.
Man kann mit Sicherheit sagen, daß das Grundstück des Besitzes in den Anfängen von wesentlich mehr Wald bedeckt wurde, als heute. Von Ödenburg kommend, war die Ortschaft halbkreisförmig von einem Dickicht versteckt. Dieses Waldstück verlief sich weiter bis zu dem Weg um den Neusiedler See. Ackerland, Wiese und Weidefläche, die man nutzen konnte, befand sich lediglich am Ufer des Neusiedler Sees, oder entlang des Weges bei der Steinbrücke. Zwischen dem Seeufer, das 4,5 km lang beim Besitz verlief und dem später entstandenen Dorf befand sich ein Landstreifen, der möglicherweise als Weidefläche benutzt wurde.
Es ist anzunehmen, daß die wenigen Bewohner des Gutsbesitzes nur für die eigene Versorgung, wenig Ackerland bestellt haben.
Doch der Seeverkehr am Neusiedler See, die Fischerei, die Schilfgewinnung, die vielen Bäume, die durch Waldausrodung gewonnenen Grundstücke, die vielen Steine bedeuteten in dieser Gegend neue Möglichkeiten für die existenzsuchenden Menschen aus dem Land. Dazu kam noch, daß in Folge der Tatarenzüge und der Verwüstungen und Einbrüche des böhmischen Königs Ottokar die ungarischen Könige die Errichtung von Burgen forcierten, weil man sich nur so effizienter gegen die Angriffe mit den damaligen, primitiven Gewehren wesentlich besser verteidigen konnte. Auf diese Weise wurde aus dem bischöflichen Besitz in Kroisbach eine Burg. Vielleicht war dabei auch das Beispiel von Ödenburg entscheidend, denn dort wurde nach 1330, während der Regierung des Königs Karl Robert die beschädigte Stadtmauer wiedererrichtet. Deshalb wurde damals vom König sogar die Hälfte der Seemaut der Stadt überlassen.
In dieser Zeit fand wahrscheinlich die Erweiterung der Burg von Kroisbach statt, die mit wenigem finanziellen Aufwand durchgeführt werden konnte.
Allein die 20 – 25 meter hohe, relativ steile Steinschutzmauer in der tiefen Schlucht des Rákospatak (Krebsnbach) bietete Sicherheit. Seitens des Neusiedler Sees war der Hügel mit den darauf befindlichen Häusern ebenfalls steil genug und zusätzlich verhinderte die Flußniederung einen Angriff von einem größeren Heer. Von zwei Seiten befand sich also die Schutzmauer entlang den Häusern, deshalb mußte man nur mehr auf der Seite vor dem Schloß und hinter dem Schloß eine stärkere Mauer errichten, obwohl der Besitz ohnehin abseits der Verkehrsverbindung lag.
In der Mitte des heutigen Dorfes sieht man noch zwei Teile der riesigen, 4 m dicken Mauer mit den Schießscharten. Diese Mauer diente der Absperrung der mittelalterlichen Burg. Vor einigen Jahrzehnten war noch im unteren Dorfteil ein Bergfried zu sehen, der später in einem Gebäude eingebaut wurde.
Die Tatsache, daß diese Burg bereits1368 stand, wurde in einer Urkunde des Königs Ludwig I. der Große festgehalten, in der beschrieben wird, daß im Zuge einer Rechtssprechung András Perendi, der als Burgvogt von Kroisbach bezeichnet wird, als Zeuge ausgesagt hat. Ohne einen Namen zu erwähnen, steht in einer anderen Urkunde aus dem Jahr 1371 der Burgvogt von Kroisbach. Die kroisbacher Burg stand also bereits ab etwa Mitte des XIV. Jahrhunderts. Die Sicherheit durch die um die Burg errichtete Mauer konnte für Leibeigene auch ein Anziehungsfaktor gewesen sein.
Da die Burg auch der Sicherheit der hier lebenden Leibeigenen diente, ist offensichtlich, daß in Kroisbach bereits vorher eine Leibeigenschaft existierte. Mit der Ausbreitung der westlichen Kultur stiegen auch die Ansprüche und mit der Entwicklung des Banderiumsystems stieg auch die Verantwortung der Großgutsbesitzer. Diese Tatsache bewegte die Gutsbesitzer dazu, die Einnahmen durch Erweiterung der Wirtschaft zu steigern. Auf den großen Besitztümern begann man bereits in der damaligen Zeit, außer Leibeigenschaften auch eigene Meiereien, sogenannte Alloden zu schaffen. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, daß in Kroisbach auch Alloden existiert hätten. Selbst wenn ja, wären diese nach der Niederlage bei Mohács in deren Entwicklung stark beeinträchtigt.
Es gibt auch schriftliche Aufzeichnungen vom Ende des XVI. Jahrhunderts über die Existenz einer eigene Meierei. Das vom Kardinalbischof Draskovich I. ausgegebene Urbar berichtet, daß zum kroisbacher Schloß auch 18 Joch Acker, 38 Wiese und ein Weingarten gehören. Das eigene Gut der Domäne ist also kaum größer als ein Frongut, dessen Bestellung aber die Pfllicht der Leibeigenen des Dorfes war. Die Konskription von 1653 erwähnt schon 25 Joch Acker , dagegen aber weniger Wiese.
Unter diesen Verhältnissen bestand das eigene Personal des Besitzes aus recht wenigen Mitgliedern. Ein Protokoll des Stuhls aus dem Jahr 1835 führt die Personen auf, die Holz als Naturalbezüge von dem Besitz erhielten. Abgesehen vom Dorfpfarrer und Kantor, die ihren Holzbezug als Patronatsrecht erhielten, ergibt sich die nachstehende Reihenfolge: Verwalter, Gespan, ödenburger Hausmeister, Faßbinder, Gärtner und Geselle, Jäger, Waldheger, Heiducke, Schafhirt, Wirt und Hirt. Insgesamt also, abgesehen vom ödenburger Hausmeister, und wenn ein Koch, 1-2 Zimmer- bzw. Küchenmädchen sowie 1-2 Hilfsschäfer dazuzählten, gehörten zum Besitz 18-20 Personen.
Eine eigene Dienstmagd gehörte damals noch nicht zum Besitz. In den älteren Personenstandsregistern jedenfalls sind solche nicht vermerkt.
Dieser Zustand hielt bis 1848, also bis zur Befreiung der Leibeigenen. Danach waren die ehemaligen Leibeigenen nicht mehr zur Fronarbeit verpflichtet. Für die Bebauung der verbliebenen Grundstücke mußte die Domäne sogenannte vertragliche Dienerschaft (Knechte) anheuern. Ab 1859 erscheinen in den Registern die Namen der Dienerschaft. In der Regel wurden diese aus von Ungarn bewohnten Gebieten angeheuert und bildeten dadurch die ungarischen Elemente, im Gegensatz zu der einheimischen deutschstämmigen Bevölkerung. Die sich mit der landwirtschaftlichen Arbeit beschäftigende Dienerschaft bestand aus 12 Familien. Einige dieser Familien bewohnten die sogenannte „Virágos“ Meierei vor dem Neusiedler See, die anderen die Pius – Meierei.
Ihr Vorsteher war der Gutsleiter, ein verständiger Familienoberhaupt, der das Gut den Verfügungen des Verwalters gemäß leitete. Das Gut wurde 1945 aufgelöst.

b.) Das Schloß
Vom Anfang an war das Zentrum des Besitzes das Schloß, dessen Bestehen die bereits erwähnte Urkunde aus dem Jahr 1311, berichtet. Im Mittelalter häusten da häufig für kürzere oder längere Zeit mehrere Bischöfe. Über die Größe und Einrichtung des damaligen Gebäudes gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Während der türkischen Einfälle der Jahre 1529 und 1532 wurde das Schloß schwer beschädigt und weil die damaligen Bischöfe das Gebäude nicht bewohnten, ist es sozusagen zu Trümmern verfallen, bis endlich György Draskovich das Schloß in den 1580-er Jahren wiederherstellen ließ. Laut den Urbaren von 1587 und 1653 ließ Draskovich das Schloß abreißen und ein ganz neues errichten, dessen oberes Geschoß vorerst nur aus einem Flur, und das Erdgeschoß aus einem größeren Zimmer und einem Schlafraum, sowie aus einem Flur, der für die Dienstmädchen bestimmt war, bestand. Dieses kleine Gebäude stellte den Kern des von den Bischöfen György Szévhenyi, Ágost Keresztély und Ferenc Zichy ständig vergrößerten Schlosses dar, das später dann auch dem inneren Personal als Wohnort diente, das früher außerhalb des Schlosses wohnte.
Während der jetzigen Restaurierung des Schlosses wurde festgestellt, daß zu Draskovich´s Zeiten das Erdgeschoß an der Westecke des Schlosses rechteckig gebaut wurde. Es ist anzunehmen, daß der sich hier immer weilende Bischof Márton Pethe das Obergeschoß über dem damals existierenden Abschnitt des Erdgeschosses ausbauen ließ. Der Bau des gesamten Frontteiles und der Flügel begann aber erst zur Zeit von György Széchenyi und wurde von Ágost Keresztély fortgesetzt. Széchenyi ließ das Schloß nicht nur vergrößern, sondern auch die Schäden reparieren, die 1683 von den Türken verursacht wurden. Ágost Keresztély vollendete dann den Bau des Schlosses. Bischof Zichy ließ wahrscheinlich wenig verändern, die äußere und innere Verzierung ist jedoch ihm zu verdanken. Von all diesen Teilarbeiten konnten bislang leider keine näheren Angaben erörtert werden.
Aus dem Jahr 1791, nach Bischof Zichy´s Tod, ist ein Schloßinventar erhalten geblieben. Demgemäß befand sich im mittleren Frontteil des Obergeschosses der große Speisesaal, auf dessen einer Seite der Besucherraum, auf der anderen Seite das Wohnzimmer des Bischofs, zu dem sich im Flügel des Gebäudes zwei weitere Räume des Bischofs, sein Schlafzimer mit drei Fluren sowie mehrere anderen Räume angeschlossen waren. In einem Flügel des Erdgeschosses befanden sich 11 Gästezimmer, im anderen reihten sich zwei Küchen, eine Zuckerbäckerei, Vorratsraum, Räume für Bedienstete, Tisztaszoba, Kanzlei und Bücherei. Am Ende der Flügel stand die Kapelle, wo der Bischof gegebenenfalls Priesterweihen und die Segnung von Gemälden, Fahnen und Glocken vollzog. Falls die Messe vom Bischof selbst gelesen wurde, nahmen daran auch die Dorfbewohner teil.
Die künstlerischen Verzierungen befinden sich vorwiegend auf der Front. Aus den einfachen, jedoch edelgegliederten Flügeln ragt ein dregeteiltes, durch ionische Säulen getrentes Mittelteil hervor. Der mittlere Teil wird durch zwei Doppelsäulen noch mehr hervorgehoben. Die drei oberen Fenster sind gewölbt, seitlich verziert, über ihnen stehen drei Wappen. In der Mitte steht das zusammengesetzte Wappen von Ágost Keresztély mit dem Kardinalshut, rechts das Wappen von György Széchenyi mit einer in ihrem Schnabel einen grünen Zweig tragenden Taube, links Ferenc Zichy´s Wappen mit Kreuz zwischen einem Hirschgeweih. Der mittlere Teil der Stirnseite ist durch ein flaches Dreieck abgeschlossen, dessen innere Seite sich über dem mittleren, größeren Wappen sich halbkreisförmig hochwölbt.
Auf dem Giebel steht obenauf eine Urne, von beiden Seiten von je eine allegorische Frauenfigur umgeben. Die Decke des großen Speisesaals im Obergeschoß ist durch ein Fresko verziert, das die sieben freien Künste darstellt, vor Gottes Auge. Im rokokoverzierten Rahmen befinden sich vier kleinere, grautönige Bilder, die Wissenschaft, Ehe, Industrie und Handel darstellen, verkörpert von Griechischen Götterfiguren. In den anderen Räumen befinden sich nur Stukkoverzierungen. Die Zimmer wurden durch wunderschöne Rokokoöfen geheizt.
Besondere Aufmerksamkeit sollte man der Kapelle im Erdgeschoß schenken, mit ihrer zweifachen viereckigen Gewölbe, dem halbkreisförmigen Sanktuar, den abgerundeten Türlichten, den durch Bogenpfeiler bestimmten Gliederungen, den Engelsfresken. Bis 1945 prangte der Altar in Rokokoverzierung. Auf dem kunstvollen Altarbild war die Krönung der Heiligen Jungfrau durch die Dreifaltigkeit dargestellt. Die Mauern der Kapelle waren mit vier mächtigen, umrahmten Ölgemälden geschmückt, welche jeweils eine Festmahlszene aus Christi Leben verewigten: das Hochzeitsmahl von Kana, der Schmaus im Haus von Simon der Pharisäer, das letzte Abendmahl und das Gastmahl der Jünger von Emmaus.
Wer waren die Erbauer des Schlosses und dessen verzierende Künstler ? Wir besitzen keine Informationen über die Meister des in so unterschiedlichen Zeiten erbauten Schlosses. Lediglich über Bischof Zichy ist bekannt, daß er die dekorativen Arbeiten vielleicht auch manche Umgestaltungen 1745 durchführen ließ. In den ersten Jahren begann er mit so großem Elan die Erwerbung des raaber Bischofsschlosses und die Restaurierung der Sommerresidenz, daß er sogar sein Familienvermögen in übertriebenem Maße in Anspruch nehmen mußte. Dabei ließ er aber auch seine raaber Residenz und sein kroisbacher Schloß vollständig restaurieren, so daß er für diese keine bedeutenden Summen mehr aufwenden mußte. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß im Zusammenhang mit der Renovierung des Schlosses gleich zweimal die selbe Jahreszahl von 1745 genannt wird, kein anderer Zeitpunkt wird erwähnt. Das Fresko im Speisesaal wurde 1745 von einem, in Niederösterreich wirkenden Maler namens Caietano di Rosa signiert. Im selben Jahr erschuf das Altarbild ein Künstler namens Frits, über dessen weitere Aktivität nichts weiteres bekannt ist.
Ob di Rosa der Leiter der Arbeitsgemeinschaft war und außer Frits noch jemand an der Verzierung des Schlosses beteiligt war, konnte nicht festgestellt werden.
Das Schloß stand auf einem großen, mit Mauern umzingelten Hof. Das Gebäude war unterkellert, der Eingang zum Keller befand sich im Hof. Vor dem Kellereingang stand ein Brunnen, dessen Statuen – Ornamente noch vorhanden sind. Im Hof befand sich noch der Pferdestall und ein Geflügelhof. Eine Weinschenke und ein Holzhaus waren gesondert umzäunt. Vor der Schloßfassade erstreckte sich der viereckige Ziergarten. Rechts vom Gebäude, am Bachufer standen der Getreidespeicher und der Schafstall. Zwischen dem Schloß und Getreidespeicher befand sich das Haus des Verwalters und des Meiers.
Drei Begebnisse aus der Geschichte des Schlosses sollten erwähnt werden. Im alten Schloß empfing der Bischof und Schatzmeister Orbán Dóczy König Matthias als Gast, der hier seinen geliebten Untertan besuchte und sich an der malerischen Umgebung des Neusiedler Sees ergötzte. Während des Reichstages von 1681 in Ödenburg besuchte König Leopold I. hier den Bischof György Széchenyi. Dieses Ereignis wurde von Bischof Zalka durch eine Gedenktafel im Torgang verewigt.
Hier wurde 1789 die Einsetzung des ödenburger Társaskáptalan und die Inaugurierung des Chorherren abgeschlossen, wobei Bischof Zichy die ödenburger kirchlichen und weltlichen Würdenträger an zwei langen Tischen bewirtete.

c.) Das Leben auf der Domäne
Die kroisbacher bischöfliche Domäne war eine Verwaltung der raaber bischöflichen Herrschaftsgüter und war der in Raab residierenden Güterverwaltung und Kabinettskanzlei unterstellt.
Zwei weitere Besitzteile gehörten ebenfalls zum Amtsbereich der kroisbacher Verwaltung: die Besitze von Himód und Zsira, die von jeweils einem, dem kroisbacher Verwalter untergeordneten Gespan betreut wurden. Die jeweiligen Leiter der Besitztümer wurden früher als Burgvogt (Castellanus), später als Prokurator, Gutsverwalter oder Amtmann bezeichnet. Ihr Amt erstreckte sich auf die Verwaltung der Ländereien (Äcker, Wiesen, Wälder, Röhrichte, Fischerei, Zoll, Gesteinsabbau), Leitung des Frongutes, Einhebung des Getreide- und Weinzehntes für den ödenburger Erzdechant (falls diese nicht verpachtet wurde), die Verwaltung und Verwertung des Getreide- und Weinzehntes.
Für deren Aufbewahrung standen nicht nur die kroisbacher Keller und Kornspeicher zur Verfügung, sondern mehrere andere Speicher des Bistums in der Fővényverem utca von Ödenburg und auf dem Gebiet der Erzdiözese.
Der Gutsverwalter wurde in seiner Tätigkeit besonders in der Kroisbacher Domäne vom Provisor, vom Kastner oder Gespan unterstützt. Öfters wurde ihnen auch ein Kanzelist zugeteilt. Wichtigere Mitglieder der Zentrale waren noch der Hauptgärtner, der Gutsjäger, der Faßbinder und der Oberkoch. All diese Personen waren meist Adelige, oder wurden vom Bischof für ihre Dieste befreit und erhielten den Dienstadel. Unadelige waren der Gutsschmied, der Forstwart, die Pfleger der Kühe und Schafe, die zwei Heiducken, die Wirtschafterin und die Stubenmädchen.
Der Verwalter war verpflichtet, Jahresausweise und jährliche Rechnungslegungen dem raaber Kabinettskanzlei vorzulegen. Seine Pflichten erstreckten sich besonders auf die Führung des inneren Schloßlebens, während wirtschaftlichen Tätigkeiten und Verwaltung der Frongüter eher zur Aufgabe des Gespans gehörten.
Die durch den großflächigen Rodungen der ausgedähnten Wälder während der Jahrhunderte entstandene Weingärten und Felder wurden nicht von der Domäne, sondern von den Frondörfern bewirtschaftet.
Wie bereits erwähnt, leiß die Domäne eine Fläche, die kaum größer als ein Frongut war, durch Leibeigene bestellen.
Ab den 1850-er Jahren stieg die durch die Domäne bewirtschaftete Fläche auf über 300 Joch. Davon lagen etwa 70 Joch Acker und Wiesen am Ufer des Neusiedler Sees und ca. 240 Joch Acker lagen im Nordwesten, ziemlich entfernt von der Gemeinde. An beiden Orten entstanden Meiereien mit Gesindehäusern, Ställen, Nebengebäuden. Die an der See liegende Meierei hieß „Virágos“, die andere „Pius“. 1868 ließ Bischof Zalka in beiden Meiereien Kapellen errichten: die von Virágos zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria, die von Pius zu Ehren vom Heiligen Pius V. Diese dienten lediglich als Gebetstätte, Messen wurden hier nicht zelebriert.
Beide Kapellen waren mit Glocken ausgestattet. In der Pius Meierei konnte sich später sogar ein Krämer durchbringen weil auch die Bewohner der benachbarten ödenburger Heide bei ihm einkauften. Die Gutsarbeiter genossen die damals üblichen Gedinge und Vorteile. Abgesen von der Untergebenheit und der einfachen Lebensweise ging es ihnen gut, hatten einen sicheren Unterhalt und da sie durchaus menschlich behandelt wurden, waren sie zufrieden.
Was den Umfang der Wirtschaftsführung des Gutes betrifft, erwähnen wir nur ein Beispiel. Laut einem Register aus 1911 waren 70 Joch Boden mit Weizen, 65 Joch mit Roggen, 65 Joch mit Gerste, 60 Joch mit Hafer und 40 Joch mit Wicke besät. In den Speichern wurden 415 Ztr (Zentner) Weozen, 387 Ztr Roggen, 402 Ztr Gerste, 340 Ztr Hafer, 479 Ztr Frühlings- und 250 Ztr Herbstwicke, 60 kg Luzernensamen gelagert. Der Futterertrag bestand aus 510 Ztr Heu, 320 Ztr Luzerne, 63 Ztr Stroh und 449 Ztr Rapsmehl. Von Schilfrohr wurden 1390 Garben geerntet. Aus diesem Ertrag wurde das Gedinge der Dienerschaft, Lebensmittel des Schloßpersonals, sowie das Viehfutter ausgeliefert. Der Überschuß wurde verkauft.
Im selben Jahr hatte die Domäne einen Viehbestand von 6 Widdern, 215 Schafen und 165 Lämmern. Der Bestand an Arbeitstieren setzte sich aus 41 Ochsen, 27 Milchkühen, 11 Kälbern und 44 Büffeln zusammen. Schweine wurden in der Domäne – zumindest während der letzten hundert Jahre – nicht gezüchtet, was sich durch die bittere Erfahrung von Massenverendungen bei den Schweinen erklären läßt.
Im erwähten Jahr gab es nur 449 Liter Rotwein und 1400 Liter Weißwein im Keller, davon 525 Liter alten Wein. Vor 1848 lagerte der Keller unvergleichbar mehr aus dem Zehnt stammenden Wein, so z.B. kamen im Jahr 1654 aus der Umgebung von Kroisbach 942 Ohm Heuriger in den Keller, als Ergebnis des Zehntes. Das Getreidezehnt ist nicht vermerkt, da dieser von den Kroisbachern in Bar bezahlt wurde.
Weil im Dorfflur alles im Besitz des Bistums war, gehörte zum Bereich der Domäne außer den schon erwähnten Feldern, Wiesen, Wäldern, Röhrichten und Fischerei des Dorfes auch die Weinschenke und Fleischerei des Dorfes, sowie die Mühlen und der Steinbruch. Diese wurden aber nicht von der Domäne verwaltet, sondern gegen bestimmten Geldbeträge oder Naturalleistungen verpachtet, deswegen wird dies ausführlich im Kapitel „Geschichte der Gemeinde“ behandelt.
Hier sollten noch die Personen erwähnt werden, die im Laufe der Jahrhunderte Verwalter, Bedienstete und Angestellte auf der kroisbacher Domäne des raaber Bistums waren.
Außer den Tatsachen, die im ersten Teil dieser Beschreibung bei der Erwähnung der Regierungszeit unserer Könige aus verschiedenen Häusern angeführt wurden, konnten einerseits aus Urkunden, andererseits aus kirchlichen Berichten folgendes vermerkt werden:
Aus dem XVI. Jahrhundert gibt es sehr lückenhafte Angaben. Kein Verwalter oder Bediensteter ist uns namentlich bekannt.
Im XVII. Jahrhundert war 1613 Márton Budai der Prokurator vom Bischof Naprágy, später György Nagy und Márton Weley. Der Prokurator von Bischof Dallos war 1627 – 1631 István Károlyi, ihm folgten János Harczy, dann ab 1647 Ramocha und ab 1651 Mihály Hodászy. Kardinal Kollonich´s Verwalter hieß Hillarosich.
Ende des XVII. Jahrhunderts brachte Herzog Ágost Keresztély aus dem Deutschen Reich Mihály Schilson zu sich. Dieser erhielt später in der Gemeinde Egyed ein Gut und den Baronentitel. Er und sein Sohn hatten eine wichtige Rolle in Ödenburg gespielt.
Der Verwalter vom Kardinal Zinzendorf war der evangelische Kristóf Russ, der später auch nach Ödenburg zog und hier aktiv im Leben der evangelischen Gemeinde mitwirkte. Zu Zeiten von Bischof Zichy und bis zum Ende des Jahrhunderts bekleideten das Amt des Prokurators János Bertha (1761), János Hollósy (1766 – 1772), Ádám Tibold (1740 – 1781), György Flach (1780), János Ferenczy (1784), Ignác Szlama (1794 – 1797). Ádám Tibold wurde von hier aus zum Verweser des raaber Herrschaftsgutes berufen.
Im XIX. Jahrhunder waren nacheinander Márton Horváth (1798 – 1802), Bernát Hoffer (1803 – 1813), János Kollár (1814 – 1845), nach 1848 Tamás Klemm (1853 – 1865), Gáspár Szilágyi (bis 1868), Lajos Eibel (1879), Kálmán Hannibal (bis 1890) und Géza Csurda (1938) die leitenden Beamten der Domäne. Letzter Verwalter war László Mátis, der 1945 seine Stelle verließ und ins Ausland flüchtete.
Als Hofrichter, Provisoren und Gespane sind uns István Károlyi (1628 – 1631), Ferenc Szigeti (1650), Lukács Világhy (1723 -), Pál Újváry (1740 -), Ferenc Szentmihályi (1743 – ), Pál Szentkereszty (1750- ), János Hollósy (1761- ), Mihály Kalmár (1773 -), Mihály Tibold (1807- ), Szerdahelyi (1835), István Kölesy (1846), József Kollár (1857) und Béla Komlósy (1892) bekannt.
Zuweilen stellte die Domäne auch besondere Revisoren oder Kanzlisten an. Solche waren: Literat Marton Dragonich (1592), Kanzlist von Bischof Kutassy, später Ferenc Kadnár (1749), József Masztati (1814), Ferenc Siebenlist (1825), Ignác Némethy (1834), Miklós Pfeiffer (1877) und Alajos Novi (1880).
Einige der Beamten erfreuten sich des besonderen Vertrauens der Bischöfe und wurden in die Kabinettskanzlei berufen. Bei anderen übernahmen die Bischöfe die Patenschaft der Beamtenkinder. Bischof Fengler hielt sogar alle Kinder von Ignáz Szloma über das Taufbecken.
Die Matrikel berichten darüber, daß viele Beamte soziale Kontakte zu den einfachen Dorfbewohnern pflegten, indem sie bei deren Kindern als Pate standen oder gerne als Zeugen bei der Trauung junger Paare fungierten. Provisor János Hollósy erwies auch mehreren Zigeunerkindern die Ehre der Patenschaft.
Die aus der späteren Klosterschule hervorgegangene riesige Gutsgärtnerei war musterhaft bestellt. Aus früheren Jahren sind uns die Gärtner Frigyes Hansche (1729), Antal Kugler (1732) und János Steiner (17389 bekannt. Zwischen 1745 und 1783 wurde die Gärtnerei von der Familie Lampel: Vater Ferenc, Sohn Ádám und Enkel György hintereinander betreut. Ihnen folgten Ferenc Uhl (1795), József Troján (1816 – 1855), Ferenc Lipkovits (1856), Vilmos Gahlen (1870), István Egyed (1879) und Emil Fednecsek (1904). Danach wurde die Gärtnerei an Privatpersonen verpachtet.
Von den Gutsjägern werden István Schilling (1744), József Pattisch (1822), Ignác Bartisch (1823), Henrik Ziegelhofer (1843 – 1856), János Steiner (1857), János Waitz (1859), György Kajtor (1861) und János Winkler (1876) erwähnt. Die Kinder von Ziegelhofer haben sich im Dorf als Handwerker niedergelassen, ihre Nachkommen leben bis heute hier.
Von den Oberköchen des Hofes hat es Mihály Lakits am weitesten gebracht. Kardinal Draskovich schenkte ihm 1587 ein Haus in Kroisbach, samt dazugehörendem Gut und befreite ihn als neuen Adeligen von jedweder Abgabepflicht.
Zwischen diesen Bediensteten, sowie den sich oft abwechselnden Faßbindern finden wir sehr viele fremdstämmige, die aus Niederösterreich, sowie aus Mähren und Böhmen herkamen. Dagegen waren Stubenmädchen, Waldhüter, Haiducken, Kuh- und Schafhirten beinahe ausnahmslos ungarn und nur vereinzelt findet man unter ihnen Leute mit kroatischen oder deutschen Namen. Nach 1848 stammte das Dienstpersonal aus reinem ungarischem Gebiet, insbesondere aus dem Komitat Ödenburg. Kernige ungarische Namen wie Konczos, Pandur, Tungos, Mészáros, Kalmár, Solymos, Kajtor, Berkes, Markó, Bognár, Török, Sárvári, Kasza, Polgár, Vince, Ötvös, Kokas, Guzs, Oláh, Hegyi, Kató und ähnliche begegnet man neben den weit verbreiteten Namen wie Horváth, Németh, Tóth, Nagy, Kovács, Takács und Szabó.
Zusammen mit den Verwaltern representierten diese das Ungartum der Gemeinde und wurden von der Domäne dementsprechend geschätzt. Nicht der einzige unter ihnen war der Haiducke Antal Konczos, der Magdolna, die Tochter der einheimischen Familie Hermann heiratete und weiter im Dienst der Domäne verblieb. Die Mehrzahl deren aber, die Dorfbewohnerinnen ehelichten, vermischten sich mit den Kätnern und Tagelöhnern.