Landschaft Neusiedler See als Weltkulturerbe

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Im Dezember 2001 wurde gemäß eines von Ungarn und Österreich gemeinsame eingebrachten Vorschlages an die Kommission für Weltkulturerbe der UNESCO die Landschaft Neusiedler See in das Verzeichnis der zum Weltkulturerbe gehörenden Landschaften aufgenommen. Die natur- und kulturgeschichtlichen Werte der sich auf der ungarischen und österreichischen Seite des Neusiedler Sees befindenden Landschaft gehören seitdem – ähnlich den weiteren ca. 700 Objekten des Weltkulturerbes – zu den besonderen Schätzen der Menschheit. Die Landschaft Neusiedler See war das siebte Objekt in Ungarn, das diesen ehrenhaften Titel errang. Das Gebiet steht unter der Obhut des Nationalparks Neusiedler See (Zentrale Sarród), der aufgrund seiner Lage eines der schönsten Beispiele für grenzüberschreitende Nationalparks ist.
Der Neusiedler See und seine Umgebung ist eine sehr romantische Gegend in dieser mannigfaltigen Land-schaft. Der alkalische, salzhaltige Steppensee wird von einem breiten Schilfgürtel umrahmt. Eine unvergleichliche Vogelwelt, Pflanzenseltenheiten, Wassersport-möglichkeiten, all das übt eine starke Anziehungskraft aus. Es ist einfach unmöglich die reichhaltige Natur des Neusiedler Sees restlos kennenzulernen. Ob Frühjahr, Sommer, Herbst, sein ständig wechselndes Gesicht wird jährlich auch durch die Zugvögel mitbestimmt. Die mehrere tausend Morgen große Schilfinsel und der of-fene See bieten zahlreichen geschützten Vogelarten Unterschlupf. Auf den Wasserkanälen im Inneren des geheimnisvollen Schilfes fahrend, kann man das weithin klingende Vogelkonzert hören. Das im Nationalpark Neusiedler See gezielt ausgebaute System der Einteilung in Zonen schützt einerseits wertvolle Lebensräume, macht dadurch aber auch Land für den Tourismus frei. Den einzigen ausgebauten ungarischen Ferienpark am Neusiedler See kann man von Fertorákos aus erreichen. Das graugrün glitzernde flache Wasser bietet den Badegästen eine angenehme, fast Warmwasser- Strandmöglichkeit. Da im Becken des Neusiedler Sees meist starke Winde wehen, ist die Möglichkeit zum Segeln und Surfen fast garantiert. Der Kanal zwischen „Ferto“ und dem Bach „Rákos“ ist ein beliebter Ort zum Angeln.

Mit Ausflugsdampfern und auf Kanutouren kann man die eigene Schönheit der Landschaft und deren aufregende, hinreisende Wasserwelt entdecken. Aus der Ferne laden die Dörfer am Ufer mit ihren hohen Kirchtürmen und weißen Häusern ein. Wenn der Winter eintritt, und der See weithin von einem glatten Eispanzer bedeckt wird, nehmen ihn die Eisläufer und Surfer in Besitz. Der Neusiedler See beeinflusst das Leben der hier ansässigen Menschen nicht nur durch seine landschaftliche Schönheit, sondern spielt auch eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Der charakteristi-sche Wein des weit be-kannten Soproner Weinan-baugebietes ist der „Kék-frankos“, es werden jedoch auch aus andere erfolgreiche rote und weiße Weine gekeltert. Die schon in sehr alten Zeiten bebau-ten Weingebiete nutzen die hervorragenden Gegebenheiten der sich um den Neusiedler See herum lang ausstreckenden, sanft abfallenden Hügellandschaft. Temperaturschwan-kungen werden durch die bedeutende Wärmebindung von Wasser und Schlamm auf angenehme Weise gemildert.

Ein Drittel des Schilfbestandes Ungarns kommt vom Neusiedler See. Das abgemähte Schilf ist eine sehr gesuchte Ware. Es lohnt sich
die freundlichen, ab-wechslungsreichen Ortschaften in der Um-gebung des Neusiedler Sees, mit einer Tour auf den gut ausgebauten Fahrradwegen zu entdecken. Auf der ungarischen Strecke (30 km) lässt es sich bequem radeln, sie führt fast an allen bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Region vorbei: an Nagycenk, bekannt durch seinen Schloßtourismus (15 km), am Nationalpark „Ferto-Hanság“ in Sarród (33 km), sowie an Sopron-Balf (8 km) und an Hegyko (15 km). In den beiden letztgenannten Orten finden Sie Heil- und Thermalbäder. Von den Aussichtspunkten und Vogelwarten die entlang des Neusiedler Sees liegen, kann man sich an der Schönheit und Vielfältigkeit der Landschaft Neusiedler See – die einen Teil des Weltkulturerbes bildet – und deren Tierwelt ergötzen. Setzt man seine Fahrt dann auf dem österreichische Fahrradwegenetz fort, ist es möglich den Neusiedler See ganz zu umfahren (ca. 130 km). Der Sopron mit Fertorákos verbindende Fahrradweg (10 km) führt über den „Gyöngyvirág (Maiglöckchen) Lehrpfad“. Der „Szárhalmi“ Wald mit seinem Eichenbestand und den Steppenwiesen verfügt über beachtlichen Artenreichtum und ist Teil des Landschaftsschutzgebietes Sopron. Die Stadt Sopron mit der an historischen Kunstdenkmälern reichen Altstadt, umgeben von einer romantisch schönen Hügellandschaft, mit niveauvoll organisierten Festivals ist zu Recht eines der bedeutendsten Fremdenverkehrszentren des Landes.

Foto: Jun. Josef Pataki, Attila Pácser