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Entstehung und Geschichte der politischen Gemeinde


Die politischen Gemienden unseres Landes entstanden auf den Herrschaftsgütern des Hochadels zu jener Zeit, als sämtliche Leibeigene, deren Anzahl ständig wuchs, mit bestimmten, administrativen Rechten ausgestattet, ein zwar vom Lehnsgut abhängiges, trotzdem selbständiges Leben führen konnte.
Dies erfolgte schon während der Zeit der Arpadenkönige, damals gab es aber außer den Burgen und Dörfern meist Lehnsgüter, die Possesionen genannt wurden. Die unter Béla IV, durch den Tatarenzügen verursachten Verheerungen erschwerten noch geraume Zeit die Entstehung von größeren Siedlungen.
Die Zunahme der Bevölkerung und die aus dem Westen einströmenden Einflüsse unter den letzten Arpaden und besonders während der Anjou - Könige forderten mit Elementarkraft ein neues Gebilde der Gesellschaftsorganisation, nämlich die politische Dorfgemeinde.
Nach dem Tatarensturm entwickelte und verstärkte sich bei uns das westliche Feudalsystem und zwar nicht nur zwischen dem König und Adel, sondern auch zwischen dem Adel und dem arbeit- und unterhaltsuchenden freien Volk. Mit diesem schließen dann die Großgrundbesitzer Verträge auf eine Weise, daß sie dem Leibeigenen Haus und Boden zuweisen, ihnen für 1-2 Jahre Abgabenfreiheit und andere Begünstigungen gewähren, als Gegenleistung dafür das Bestellen der Felder des Gutsherren verlangten, sowie die Abgabe eines Neuntels der Naturalien. In dieser Form bestand die Leibeigenschaft bis 1848.
Für den Großgrundbesitzer oder seinen Beauftragten war es läßtig sich mit allen kleineren Angelegenheiten der vielen Leibeigenen zu beschäftigen, sie bemühten sich also die Abhängigkeit vom Gutsherren zu lockern, bzw. diese Abhängigkeit ganz durch die Leibeigenschaft ausüben zu lassen. Die Aufteilung der für den Gutsherren bestimmten Leistungen wurden der Leibeigenschaft zugewiesen, ebenso die Regelung ihrer gegenseitigen Problemen, die Ordnungshütung, die Bestrafung der Ruhestörer, die Waisen- und Altenbetreuung, Feuerschutzwesen, usw. All diese Tätigkeiten gehörten in den Wirkungskreis eines gewählten Dorfschultheißen, dem zwei Schöffen beistanden. Die Aufsicht über diese Gemeinschaft, die Hilfeleistung in schwierigen Fällen, welche die Möglichkeiten des Dorfes übertrafen, die Rechstsprechung bei schwerem Verbrechen, stand dem Gutsherren zu. Der Gutsherr ist damit zum Beschützer der Dorfgemeinde geworden, dessen Patronatsherr und Rechtsmittelinstanz, das Patrimonialgericht, gab aber den Leibeigenen die Freiheit, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu erledigen.
In dieser Weise erlang auch die kroisbacher Leibeigenschaft ihre Selbständigkeit. Wann dies geschehen ist, kann nicht genau festgestellt werden. Die aus 1311 stammende, sich auf Kroisbach beziehende ödenburger Urkunde deutet lediglich auf eine kleine Siedlung hin. Aber als während der Zeit des Königs Ludwig I. der Große die Burg ausgebaut wurde, weist die Größe der ummaurten Fläche darauf hin, daß diese für viel mehr Menschen gedacht wurde als die wenigen Bewohner eines kleinen Dorfes. Bereits in dieser Zeit gab es hier so viele Häuser, daß die Entstehung einer Dorfgemeinde vermutet werden kann. Ein ödenburger Testament aus dem Jahr 1434 erwähnt eine schon seit langer Zeit bestehende kroisbacher Kirche. Dort, wo eine Kirche gestanden ist, die mit der Hilfe des Gutsherren errichtet wurde, mußte es schon vorher eine Gemeinde gegeben haben. Diese Gemeinde entstand auf dem Absatz des Hügelrückens über dem Schloß und den Gebäuden der Bediensteten. Dort hat der Gutsherr die Baustellen der für die Leibeigenen bestimmten Häuser angewisen, die sich entlang des Hügelabsatzes anreihten. Aus der seit den frühesten Zeiten festgelegten Stelle der Kirche läßt sich darauf schließen, daß als die Pfarre entstand, die ausgebaute Häuserreihe nur bis zum Friedhof reichte, der die Kirche umgab. In dieser Gegend war es nämlich üblich, die Kirche und den Friedhof immer am Rande der Siedlung, an der höchstgelegener Stelle anzulegen, wie bei der ältesten Kirche in Ödenburg, in Wolfs, sowie im burgenländischen Rohrbach, Donnerskirchen und Mattersburg und vielen anderen Dorfkirchen der Fall ist.
Paralell mit dem Anstieg der Zahl der Leibeigenen fand auch die Absteckung von neuen Standorten statt, wie z.B. entlang des Weges oberhalb der Kirche. Es gibt eine Überlieferung, wonach sich am Weg unter der Kirche gegenüber dem Schloß, sowie oberhalb Kätner- und Leibeigenenhäuser befanden. Hingegen befanden sich oberhalb der Kirche erst die Leibeigenenhäuser, bis zur heutigen Bäckerei, dann folgten wieder Kätnerhäuser bis zur Burgmauer.
Hier soll angeführt werden, daß in Hinsicht auf der Wohnsituation die kroisbacher Leibeigenen unter besseren Umständen lebten, als jene von anderen ungarischen Gegenden, besonders in der Tiefebene. Hier gab es in Hülle und Fülle Stein, Holz und Rohr. Die Mauern der alten abgerissenen Häuser bestanden überall aus Stein, wenn auch nicht aus behauenem. Das Mauerwerk der Wohnzimmer, der Küchen, ja sogar der Viehställe bestand aus mit Lehm verkitteten kleineren oder größeren Steinen von unregelmäßiger Form. Balkenholz für die Decke erhielten die Leibeigenen vom Gutsherren und Schilf des Neusiedler Sees lieferte das Material für das Dachwerk. Zu jedem Haus gehörten ein langer Hof und Garten, die größer waren dort wo der Hügelrücken breiter wurde.
Die mittelalterlichen Aufzeichnungen liefern keine Angaben über das Familienleben, die Form der Bewirtschaftung, welche von einer Generation auf die andere übertragen wurde und über das soziale Bild der Gemeinde. Es ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit annehmbar, daß das Leben der Leibeigenen im XIV. - XV. Jahrhundert für die damalige Verhältnisse erträglich, ja sogar gut war. Der Gutsherr und dessen Bedienstete lebten in familiärer Eintracht mit den Leibeigenen und gewährten ihnen Schutz in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse.
Wie sehr dem bischöflichen Gutsherren das Wohlergehen seiner Leibeigenen am Herzen lag, geht aus der in Ödenburg 1345 vom Bischof Kálmán an den kroisbacher Burgvogt und dessen Nachkommen gerichteten Urkunde hervor, in der er ihnen streng befiel, daß dieselben für die Weinberge keine höheren Abgaben einheben sollten als bei den ödenburger Weinbergen üblich ist, und daß sie den Leibeigenen keine größeren Lasten auferlegen.
Natürlich mußten die Leibeigenen auch schlechtere Zeiten erleben, besonders dann, als die Burg Katzenstein in Fronarbeit erbaut wurde und als der dortige Burgvogt Weitraher die Leibeigenen über das übliche Maß brandschatzte und egal ob viel oder wenig Wein gedieh, für jeden Weinberg 4 Gulden, einen unerhört hohen Zoll forderte. Als aber Kroisbach wieder Besitz des Bistums wurde, normalisierten sich die Umstände.
Aus einem Beschwerdebrief des Bischofs Gregoriancz in der Zeit der Niederlage bei Mohács erfahren wir von der Lästigkeiten, welche die kroisbacher Leibeigenen erleiden mußten während der Streitigkeiten zwischen Ödenburg und Kroisbach über gewisse Wälder. Es kam dabei auch zu Raufereien zwischen den ödenburger Arbeitern und den Leibeigenen aus Kroisbach, wobei ein Kroisbacher sogar getötet wurde. Bei dieser Gelegenheit nahm der Bischof seine Leibeigenen entschlossen unter seinen Schutz.
Diese Anführungen und Angaben sind natürlich nur einzelne Daten, die während lange Jahrhunderte manchmal Einsicht in der Verlauf der Geschehnisse gewähren, ohne aber ein Gesamtbild zu liefern.
Einen viel genaueren Einblick bekommen wir über das Gemeindeleben und die Situation der Leibeigenen ab Ende des XVI. Jahrhunderts. Zwei, im Jahr 1587 entstandenen Urkunden von Kardinal und Erzbischof von Kalocsa und Administrator des raabr Bistums, György Draskovich stellen die örtlichen Verhältnisse der Siedlung und das Leben der Leibeigenen ins rechte Licht. Hier beginnt also die Geschichte von Kroisbach, die auch durch schriftliche Dokumente belegt ist.
 

 

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